Palliativstation Tag 10 (letzter Tag) 

3:30 Ich bin wach und kann nicht mehr einschlafen. Noch ca. 12 Stunden bis ich nach Hause kann. Nun doch erst einmal in die alte Wohnung. Ein Kurzzeitpflegeplatz in der Ferienzeit zu finden, ist unmöglich. Praktisch wäre die Kurzzeitpflege eine Etage über der Palliativstation gewesen. Das Carpe diem in Neukirchen-Vluyn Ortsteil Neukirchen wäre wegen dem freien WLAN eine schöne Alternative. Von dort gibt es nicht einmal eine Antwort. 

Da ich aber sogar ohne Rollator kleine Strecken ohne nennenswerten Schmerzzuwachs bewältigen kann, sehe ich das ganze viel lockerer als noch vor 10 Tagen. 

Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ein Schmerzmittel die Schmerzen mit hohen Dosen (100 fache Morphin Wirkung) mit 800 Mikrogramm oral nur kurzfristig bekämpft oder ob ein Schmerzmittel mit mittlerer Dosis (50 fache Morphin Wirkung) mit 70 Mikrogramm pro Stunde gleichmäßig transdermal gleichmäßig für eine Schmerreduzierung auf ein erträgliches Maß reduziert. Da außerdem ganz andere Rezeptoren im Gehirn angesprochen werden, scheint auch die intellektuelle Beeinträchtigung nicht so hoch zu sein wie bei Morphin, Fentanyl und Oxycodon. Alle drei zusammen machen einen zum Zombie ohne den Drang seine Mitmenschen essen zu wollen. 

Das soll nicht heißen, dass alles komplett in Ordnung ist. Trotz Lyrica und Fluoxetin bin ich nicht durchgehend fröhlich als hätte ich einen Clown gefrühstückt. Mein Verständnis für andere Menschen  und meine Empathiefähigkeit ist noch sehr stark am Zombielevel. Ich bin ein Soziopath oder nicht weit davon entfernt. Das macht es gerade für Menschen, die mich gut leiden können (ja, die soll es tatsächlich geben) besonders schwer mit mir um zu gehen. Ich bin manchmal zu erschöpft, um zu kommunizieren und dabei meine Sympathie zum Ausdruck zu bringen. 

Andererseits fällt es mir zu leicht Menschen ab zu lehnen, von denen ich den Eindruck habe sie benutzen ihr Gehirn nicht ausreichend, weil sie Angst haben das Gehirn würde bei Gebrauch verschwinden wie ein Stück Seife. Mir ist klar, daß es höchst arrogant ist, Menschen spüren zu lassen, was ich von ihnen halte, sobald ich sie auf diese Weise abstempel. Aber leider fühlt es sich gut an. 

Das geht sogar so weit, dass ich meine Aggression in bestimmten Situationen kaum im Zaum halten kann. Zum ersten Mal kann ich verstehen, wieso es Amokläufer gibt. Es gab Situationen in denen ich fast etwas sehr Blödes gemacht hätte, das dann möglicherweise weitere Kreise gezogen hätte. 

Beispiel: Palliativstation, Zweibettzimmer. Ich werde vom lauten Fernseher geweckt, weil ich gerade in eine Leichtschlafphase gewechselt bin und der Zimmerkollege schläft, nutzt also den Fernseher nicht. Sofort schießt derartig viel Adrenalin in’s Blut, daß mir das Herz bis zum Hals schlägt und ich mich nur schwer beherrschen kann, den Fernseher nicht von der Wand zu reißen und dem Zimmernachbar nicht damit den Schädel ein zu schlagen. Und warum sollte ich dann damit aufhören. Die Frage ist doch nicht, warum machen Menschen so etwas, sondern warum machen es nur so wenige. 

Der 

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