Mittwoch, 22. Juni 2016

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Der 22. Juni ist der 173. Tag des gregorianischen Kalenders (der 174. in Schaltjahren), somit verbleiben noch 192 Tage bis zum Jahresende.

Nationalfeiertag Kroatien – Tag des antifaschistischen Kampfes – Gedenktag an die Gründung der ersten antifaschistischen Partisaneneinheit Südosteuropas im Wald Brezovica bei Sisak

Tag der Zwiebelringe – der amerikanische National Onion Ring Day

Schokoladen-Eclair-Tag – der amerikanische National Chocolate Eclair Day

Stupid Guy Thing Day

Namenstage Achatius, Eberhard, Thomas

 

Giacomo Leopardi: Die erste Liebe

Giacomo Leopardi: Die erste Liebe

Ich weiß den Tag, da ich zum ersten Mal

Den Kampf der Liebe stritt und zu mir sprach:

Ist das die Liebe, weh, wie schafft sie Qual!

Am Boden haftete der Blick, doch ach,

Ich sah nur Sie, die mit unschuld’gem Triebe

Zuerst sich Bahn zu diesem Herzen brach.
Wie schlimm mißhandelt hast du mich, o Liebe!

Warum nur stürzt uns diese süße Lust

In solcher Schmerzen sehnliches Getriebe!
Nicht sanft, nicht heiter ward ich mir bewußt

Der neuen Macht. Sie kam mit Weh und Klagen

Und schnürte mir mit dunkler Angst die Brust.

/\

Giacomo Leopardi: Die erste Liebe 2/10

Sprich, zärtlich Herz, was machte dich verzagen,

Was bebtest du so tief vor dem Gedanken,

Der aller Wonnen Preis davongetragen?
Bei dem Gedanken, der sich ohne Wanken

Dir Tags gesellt‘ und Nachts dir raunte zu

Süßschmeichelnd, wenn in Schlaf die Fluren sanken?
In Unruh‘, Glück und Jammer stürmtest du

Lautpochend fort und fort an dein Gefängniß

Und scheuchtest mir von meinem Pfühl die Ruh‘.
Und wenn ich, matt von glühender Bedrängniß,

Die Augen schloß zum Schlummer, o wie bald

Verstört‘ ihn, wie im Fieber, Traumesbängniß!

/\

Giacomo Leopardi: Die erste Liebe 3/10

Wie leibhaft stand die reizende Gestalt

Im Finstern da, und ob ich auch die Lider

Zudrückte, sie erblickt‘ ich tausendfalt.
Wie floß mit süßem Grau’n durch meine Glieder

Verworrne Glut, wie wogten ohne Stocken

Gedanken durch den Geist mir auf und nieder.
So fährt ein Zephyr durch die dichten Locken

Des alten Waldes, im Vorüberschweben

Ihm lange, bange Klagen zu entlocken.

Und da ich schweigend stand, wehrlos ergeben,

Was sagtest du, o Herz, als sie nun ging,

Um die in tiefer Noth du solltest beben?

/\

Giacomo Leopardi: Die erste Liebe 4/10

Kaum, daß ich völlig an zu lodern fing,

So war des Lüftchens linder Hauch entschwunden,

Durch das ich Kühlung meiner Glut empfing.
Wach lag ich noch in frühen Morgenstunden,

Da stampfend schon an unsres Hauses Thor

Die Räuber meines Glücks, die Rosse stunden.
Und ich, verzagt und stumm, ein blöder Thor,

Hielt zum Balcon hin in den Finsternissen

Umsonst mein Aug‘ und mein begierig Ohr,
Ob ich noch einmal, eh‘ sie würd‘ entrissen,

Die Stimme hörte, die geliebte, traute,

Die Stimme nur! Mehr sollt‘ ich ewig missen.

/\

Giacomo Leopardi: Die erste Liebe 5/10

Doch immer trafen nur gemeine Laute

Mein zweifelnd Ohr; ein Frösteln fiel mich an,

Indeß ich kaum zu athmen mir getraute.
Und als die theure Stimme endlich dann

Mir an die Seele drang und von den Rossen

Und Rädern schlug der Lärm zu mir hinan,
Da, nun verwais’t, die Augen fest geschlossen,

Vergrub im Pfühl ich zuckend mein Gesicht,

Die Hand aufs Herz gepreßt, in Gram zerflossen.
Dann wankend unter meines Grams Gewicht

Schleppt‘ ich mich dumpf durchs schweigende Gemach

Und sprach: Was nun auch kommt, es rührt dich nicht!

/\

Giacomo Leopardi: Die erste Liebe 6/10

Und bitterlich ward die Erinnrung wach

In meiner Brust, für jedes Bild verschlossen,

Für jede Stimme, die zum Herzen sprach.

 

Ein öder Schmerz war über mich ergossen,

Wie wenn der Regen weit und breit ins Land

Herniederrieselt, traurig und verdrossen.
Noch hatt‘ ich dich, o Liebe, nicht gekannt,

Und achtzehn Sommer lebt‘ ich bis zum Tage,

Wo ich mit Thränen deine Macht empfand.
Entwerthet war mir wie mit einem Schlage

Jedwede Lust, die heil’ge Morgenfrühe,

Der Sterne Glanz, des Frühlings Blütenhage.

/\

Giacomo Leopardi: Die erste Liebe 7/10

Ich fühlte, wie die Sehnsucht selbst verglühe

Nach Ruhm, von der so heiß mein Busen brannte;

Nur Schönheit noch erschien mir werth der Mühe.
Nicht mehr zu den vertrauten Büchern wandte

Sich Aug‘ und Sinn. Leer schien mir auf einmal,

Was ich zuvor als einzig werth erkannte.
Wie hatt‘ ich mich verwandelt! ach, wie stahl

Die neue Leidenschaft mein Herz der alten!

Traun, eitle Menschen sind wir allzumal.
Nur noch mein Herz gefiel mir, Zwiesprach halten

Mit ihm, in ew’ge Träumerei begraben,

Und meinen Kummer hüten vorm Erkalten.

/\

Giacomo Leopardi: Die erste Liebe 8/10

Nichts wollte mehr der Blick zu schauen haben,

Ob schön, ob häßlich; in sich selbst gekehrt,

Am eignen Licht nur wollt‘ er sich erlaben;
Aus Furcht, das reine Bild, so keusch verklärt,

Getrübt zu sehn im Spiegel meiner Brust,

Wie Seeflut, über die ein Lüftchen fährt.
Und jene Reue, daß ich nicht gewußt

Voll auszukosten, was so schön und gut,

Sie, die Vergifterin entschwundner Lust,

Trieb ihren Dorn mir rastlos in das Blut

Im Rückgedenken; ob auch noch die Pein

Der Schuld nicht an mir nagt‘ in wilder Glut.

/\

Giacomo Leopardi: Die erste Liebe 9/10

Euch, edle Seelen, dir, du Sonnenschein,

Schwör‘ ich’s: kein niedrer Wunsch hat mich verzehrt;

Die Glut in mir war sündelos und rein.
Und noch wird diese Flamme fortgenährt,

Noch lebt das schöne Bild in meiner Seele,

Und ob sie nur ein Traumglück mir gewährt –
Sie bleibt der Trost, den ich allein erwähle!

 

Quelle:
Leopardi, Giacomo: Gedichte und Prosaschriften. Berlin 1889, S. 61-65.
Lizenz: Gemeinfrei

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Giacomo Leopardi: Die erste Liebe 10/10

Gewidmet: Christiane S. (1953-2009)
 George Sherban, formerly known as JOHOR, Abgesandter (Grad 9) – 87. der Periode der Letzten Tage:
<cu> on CANOPOS or again in Zone 6 *)
Als du schon erwachsen warst,
benahm ich mich noch wie ein Kind.
Endlich, nach einer langen Phase mit verminderter Impulskontrolle
hatte ich die Adoleszenz überwunden,
da hattest du schon mit dem Leben abgeschlossen.
Dein Sterben endete nach mehr als drei Dekaden,
seitdem vermisse ich dich jeden Tag umso mehr.
Wo immer du gerade sein magst, rufe ich Dir zu: <cu>,
wann und wo das immer sein wird.
*) Zum Wiederaufbau von Rohanda nachdem sie zu Shikasta geworden ist und alle Kulturen ausgelöscht sind und nichts als Zerstörung, innere Leere und moralischer Niedergang zurück bleibt

Dienstag, 21. Juni 2016

Der 21. Juni ist der 172. Tag des gregorianischen Kalenders (der 173. in Schaltjahren), somit verbleiben noch 193 Tage bis zum Jahresende. Am 21. (bzw. 20.) Juni steht die Sonne mittags am nördlichen Wendekreis im Zenit und geht am nördlichen Polarkreisnachts nicht unter. Dieser Tag ist somit in der nördlichen Erdhälfte der längste Tag des Jahres, die Sommersonnenwende.

Nationalfeiertag Grönland Grönland

Weltyogatag

Internationaler Tag der Archäoastronomie – initiiert von Sternwarte „Bruno-H.-Bürgel“ Sohland/Spree Aktionen werden jeweils am Sonnabend, welcher der Sommersonnenwende am nächsten liegt durchgeführt

Welthumanistentag – initiiert von American Humanist Association (AHA) und Internationale Humanistische und Ethische Union (IHEU)

Tag des Schlafes

Tag des Sonnenschutzes

Fête de la Musique, internationaler Tag der selbstgemachten Musik (seit 1982)

Sommeranfang

Internationaler T-Shirt-Tag

Namenstage Alban, Alois

Sidonie Grünwald-Zerkowitz: Der Kuß

Sidonie Grünwald-Zerkowitz

Der Kuß

Dein Kuß allein will mir nicht genügen!
Ein Kuß nicht mein Begehren stillt!
Trankst Du ihn je in vollen Zügen
Und empfandst noch nicht, was aus ihm quillt?

Ein Kuß – ein Blitz unter Sturmes Toben –
Ein süß Gewittern der Sinnenflut
Im tiefsten Mark, das nach unten, nach oben
Das Sein im Zickzack durchrast mit Glut.

Gewitter, das nicht sich löset in Regen …
In den Wolken bleibt und wühlend drin schwebt …
Und wetterleuchtend auf allen Wegen
Mit peinvollen Schauern uns durchbebt …

Montag, 20. Juni 2016

Der 20. Juni ist der 171. Tag des gregorianischen Kalenders (der 172. in Schaltjahren), somit bleiben 194 Tage bis zum Jahresende. Am 20. (bzw. 21.) Juni steht die Sonne mittags am nördlichen Wendekreis im Zenit und geht am nördlichen Polarkreis nachts nicht mehr unter, dieser Tag ist somit in der nördlichen Erdhälfte der längste des Jahres, die Sommersonnenwende

Nationalfeiertag Argentinien Argentinien – Tag der argentinischen Flagge

Weltflüchtlingstag –  Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung – bis 2000: Tag des afrikanischen Flüchtlings

Tag des Vanille-Milchshake – der US-amerikanische National Vanilla Milkshake Day

Namenstag Adalbert

 

Ludwig Rubiner: Die Stadt

Ludwig Rubiner

Die Stadt

Er kam vom Hügel. Ein ferner Stern zog weiß
Die Straße zur Tiefe. Die Füße sprangen schnell,
Die Augen stachen durchs gelbgeballte Haar.
Die Nacht sprang aus der Erde, blau und leis.
Der weiße Stern stand weit, die Nacht lag hell.
Die Nacht zerriss den Stern zum weißen Paar,
Die Straße wich zurück in blauem Lauf,
Die Sterne zuckten hastig höher auf.
Ein Wind zog herüber, irr von Geschrei und heiß.

Er lief schon schwankend. Glückselig sah er sacht
Die Straße rollen rötlich zum silbernen Schein
Der riesigen Türme. Deren Lampen schwangen
Spielend mit den Ufern der blitzenden Nacht
An der Straße über verblassendem Stein.
Die Füße hoben sich zum Flug und sprangen.
Die Nacht wurde klein, die Straße raschelte still.
Da schossen die Lampen zur Höhe und rissen schrill
Die Türme in den dunklen, ungeheuren Schacht.

Dunkel von Röcken und Hüten schwankt eine Wand;
Nur ihm hing nackt das gelbe Haar ums Gesicht.
Das Schattengewühl der Menge zog zur Stadt.
Da rissen die Türme die Straße breit ins Licht,
Die Lampenaugen, ewig wach, zuckten matt
Über den Glanz der Hüte ins steinerne Land.
Geschrei der Menge lief um die steilen Flanken
Der dunklen Terrasse. Sie saßen lässig und tranken.
Da sah er zwischen den Türmen das Seil gespannt.

Ein nackter Schatten wiegte es. Er blieb stehn,
Die Menschen wichen schweigend zu den Seiten.
Er stand unterm Seil. Sie rückten die Hüte nicht.
Er sah die nackte Frau übers Seil hingleiten.
Er stand ohne Atem. Er sah hoch oben das Licht
Laufen über die hellen Schenkel und Zehn.
Zur Stadt hinter den Türmen drängte die Menge vorbei.
Ein Wind flog über die Mauer, heiß von Geschrei.
Niemand im schwarzen Gewühl hatte aufwärts gesehn.

Die Augen der Lampen zuckten über die Frau.
Das Seil schwankte kreisend, als sie schnell sprang.
Sie war ernst, hoch oben. Ein Turmlicht zischte weiß,
Sie lächelte im Sprung zur Seite, wo es sang.
Das Turmlicht drückte ihr Haar im Schattenkreis
Hell auf die Nacht. Das Licht reckte sich lau
Zum blonden Stern des Bauchs. Ein Schattengürtel band
Sich schmal um sie. Flog hinauf. Verschwand.
Sie bückte sich und hob die Arme ins Blau.

Sie sprang ernst. Sie sah ihn und lächelte leer.
Die Menschen liefen zur Stadt durch die Mäuler der Steine.
Er stand im Gewühl ohne Atem. Das Turmlicht pfiff.
Über den steilen Glanz ihrer tanzenden Beine
Rannen siedende Blasen des Lichts hin und her –
Als sie plötzlich ins blaue Luftlicht griff.
Sie schwankt schon grinsend. Zur Nacht hinauf krallen
Zwei Falten. Aber niemand bleibt stehn. Sie muss fallen!
Der helle Stern ihres Bauchs zittert so sehr.

Die Häuser taumeln. Blass steigt ein weiter Kreis
Von bleichen Mauern auf im grünlichen Schein. –
Die Lampenaugen, ewig wach, zuckten matt
Über blaue Terrassen. Die Straßen raschelten leis.
Im Schattengewühl der Menge stand er klein.
Er lief klein und wild. Die Nacht sprang aus der Stadt.
Er lief über den Hügel. Die Nacht lag hell.
Fern stand ein weißer Stern. Die Füße sprangen schnell.
Ein Wind zog herüber, bunt von Geschrei und heiß.

 

Heinrich Seidel: Nach oben!

Heinrich Seidel

Nach oben!

Du darfst dich nicht nach unten vergleichen!
Hinz und Kunz sind leicht zu erreichen,
Müller und Schulze sind bald übertroffen –
Halt dir den Blick nach oben offen!

Sonntag, 19. Juni 2016

Der 19. Juni ist der 170. Tag des gregorianischen Kalenders (der 171. in Schaltjahren), somit verbleiben noch 195 Tage bis zum Jahresende.

Weltbummeltag – T.W. Rabe und der World Sauntering Day

Martinitag – National Martini Day

Namenstag Gervais

 

 

Rainer Maria Rilke: Der Knabe

Rainer Maria Rilke

Der Knabe

Ich möchte einer werden so wie die,
die durch die Nacht mit wilden Pferden fahren,
mit Fackeln, die gleich aufgegangnen Haaren
in ihres Jagens großem Winde wehn.
Vorn möcht ich stehen wie in einem Kahne,
groß und wie eine Fahne aufgerollt.
Dunkel, aber mit einem Helm von Gold,
der unruhig glänzt. Und hinter mir gereiht
zehn Männer aus derselben Dunkelheit
mit Helmen, die, wie meiner, unstät sind,
bald klar wie Glas, bald dunkel, alt und blind.
Und einer steht bei mir und bläst uns Raum
mit der Trompete, welche blitzt und schreit,
und bläst uns eine schwarze Einsamkeit,
durch die wir rasen wie ein rascher Traum:
Die Häuser fallen hinter uns ins Knie,
die Gassen biegen sich uns schief entgegen,
die Plätze weichen aus: wir fassen sie,
und unsre Rosse rauschen wie ein Regen.

Samstag, 18. Juni 2016

Der 18. Juni ist der 169. Tag des gregorianischen Kalenders (der 170. in Schaltjahren), somit verbleiben noch 196 Tage bis zum Jahresende.

Autistic Pride Day

Gönn-Dir-was-Tag – der US-amerikanische National Splurge Day

Internationaler Panik-Tag – International Panic Day