Montag, 13. Juni 2016

Der 13. Juni ist der 164. Tag des gregorianischen Kalenders (der 165. in Schaltjahren), somit verbleiben noch 201 Tage bis zum Jahresende.

Tag der Nähmaschine – der amerikanische National Sewing Machine Day

Namenstage Antonius, Bernhild

Johann Wolfgang von Goethe: Faust I – Faust und Gretchen Die Gretchenfrage

Johann Wolfgang von Goethe

Faust I – Faust und Gretchen

Die Gretchenfrage

GRETCHEN: … Glaubst du an Gott?
FAUST: Mein Liebchen, wer darf sagen:
Ich glaub an Gott!
Magst Priester oder Weise fragen,
Und ihre Antwort scheint nur Spott
Über den Frager zu sein.
GRETCHEN: So glaubst du nicht?

/\
FAUST: Mißhör mich nicht, du holdes Angesicht!
Wer darf ihn nennen
Und wer bekennen:
Ich glaub‘ ihn.
Wer empfinden
Und sich überwinden
Zu sagen: ich glaub ihn nicht!
Der Allumfasser,
Der Allerhalter,
Faßt und erhält er nicht
Dich, mich, sich selbst?
Wölbt sich der Himmel nicht dadroben?
Liegt die Erde nicht hierunten fest?
Und steigen freundlich blickend
Ewige Sterne nicht herauf?

/\

Schau ich nicht Aug in Auge dir,
Und drängt nicht alles
Nach Haupt und Herzen dir
Und webt in ewigem Geheimnis
Unsichtbar-sichtbar neben dir?
Erfüll davon dein Herz, so groß es ist,
Und wenn du ganz in dem Gefühle selig bist,
Nenn es dann, wie du willst:
Nenns Glück! Herz! Liebe! Gott!
Ich habe keinen Namen
Dafür! Gefühl ist alles;
Name ist Schall und Rauch,
Umnebelnd Himmelsglut.

/\
GRETCHEN: Das ist alles recht schön und gut;
Ungefähr sagt das der Pfarrer auch,
Nur mit ein bißchen andern Worten.
FAUST: Es sagens allerorten
Alle Herzen unter dem himmlischen Tage,
Jedes in seiner Sprache:
Warum nicht ich in der meinen?

   – aus Faust I, Zeilen 3426-3465

Johann Wolfgang von Goethe: Faust I – Faust and Gretchen: The Gretchen Question

Johann Wolfgang von Goethe

Faust I – Faust and Gretchen
The Gretchen Question

GRETCHEN: … Do you believe in God?
FAUST: My darling, who can (really) say:
I believe in God!
You may ask priests or wise men,
And their answer seems but a mockery
Of the questioner to be.
GRETCHEN: So you do not believe?
FAUST: Don’t misunderstand me, you lovely sight!
Who may name Him,
And who declare:
I believe in Him.

/\
Who can feel
And dare
To say: I do not believe in Him!
The all-embracing one,
The all-preserving one,
Does He not embrace and preserve
You, me, (and) Himself?
Does the sky not arch above us up there?
Does the earth not lie firm down here?
And do not with kind glance
The eternal stars rise?
Do I not look at you eye to eye,
And does not everything press
Upon your head and heart
And weave in eternal mystery
Invisible and visible around you?

Fill your heart, as big as it is, from that

/\

And when you are completely blissful in the feeling,
Then call it what you like:
Call it happiness! Heart! Love! God!
I have no name
For it! Feeling is everything;
(The) name is sound and smoke,
Enshrouding heaven’s glow.
GRETCHEN: That is all quite fine and good;
Much the same thing says the pastor, too
Only with slightly different words.
FAUST: It is said everywhere (by)
All hearts under the heavenly day,
Each in its own language:
Why not I in mine?

   – From Faust I, lines 3426-3465

Sonntag, 12. Juni 2016

Der 12. Juni ist der 163. Tag des gregorianischen Kalenders (der 164. in Schaltjahren), somit verbleiben 202 Tage bis zum Jahresende.

Nationalfeiertag Russland Russland – Annahme der Deklaration der staatlichen Unabhängigkeit Russlands durch den ersten Parteitag der Volksdeputierten der RSFSR (1990) und erste freie Präsidentschaftswahlen in Russland (1991)

Nationalfeiertag Philippinen Philippinen

Welttag gegen Kinderarbeit

LovingTag – der US-amerikanische National Loving Day

Dia dos Namorados (Tag der Liebenden), brasilianisches Pendant zum Valentinstag

Tag des Tagebuchs

Namenstag Eskil

Wu Zetian: Dringender Bescheid an den Frühling

武则天 Wu Zetian (624 – 705)

腊日宣诏幸上苑

Dringender Bescheid an den Frühling

明朝游上苑, Ich werde morgen im Garten lustwandeln
火急报春知。 An den Frühling geht dringend folgender Bescheid
花须连夜发, Über Nacht soll er alles erblühen lassen
莫待晓风吹。 Nicht warten bis der Wind weht zur Morgenzeit

 

Samstag, 11. Juni

Der 11. Juni ist der 162. Tag des gregorianischen Kalenders (der 163. in Schaltjahren), somit verbleiben noch 203 Tage bis zum Jahresende.

Barnabas-Tag

Tag des Maiskolbens – der US-amerikanische National Corn on the Cob Day

Tag des Deutschen Schokoladenkuchen – National German Chocolate Cake Day in den USA

Namenstag Barnabas

Kurt Tucholsky: Park Monceau

Kurt Tucholsky

Park Monceau

Hier ist es hübsch. Hier kann ich ruhig träumen.
Hier bin ich Mensch – und nicht nur Zivilist.
Hier darf ich links gehn. Unter grünen Bäumen
sagt keine Tafel, was verboten ist.

Ein dicker Kullerball liegt auf dem Rasen.
Ein Vogel zupft an einem hellen Blatt.
Ein kleiner Junge gräbt sich in der Nasen
und freut sich, wenn er was gefunden hat.

Es prüfen vier Amerikanerinnen,
ob Cook auch recht hat und hier Bäume stehn.
Paris von außen und Paris von innen:
sie sehen nichts und müssen alles sehn.

Die Kinder lärmen auf den bunten Steinen.
Die Sonne scheint und glitzert auf ein Haus.
Ich sitze still und lasse mich bescheinen
und ruh von meinem Vaterlande aus.

Freitag, 10. Juni 2016

Der 10. Juni ist der 161. Tag des gregorianischen Kalenders (der 162. in Schaltjahren), somit verbleiben noch 204 Tage bis zum Jahresende.

Nationalfeiertag Portugal Portugal – Todestag des Nationaldichters Camões

Kindersicherheitstag

Tag des Kugelschreibers – der amerikanische National Ballpoint Pen Day

Tag des Eistee – National Iced Tea Day

Namenstage Diana, Heinrich

Heinrich von Kleist: An die Königin

Heinrich von Kleist: An die Königin 

Du, die das Unglück mit der Grazie Schritten,
Auf jungen Schultern, herrlich jüngsthin trug:
Wie wunderbar ist meine Brust verwirrt,
In diesem Augenblick, da ich auf Knieen,
Um dich zu segnen, vor dir niedersinke.
Ich soll dir ungetrübte Tag‘ erflehn:
Dir, die der hohen Himmelssonne gleich,
In voller Pracht nur strahlt und Herrlichkeit,
Wenn sie durch finstre Wetterwolken bricht.
O du, die aus dem Kampf empörter Zeit,
Die einzge Siegerin, hervorgegangen:
Was für ein Wort, dein würdig, sag ich dir?
So zieht ein Cherub, mit gespreizten Flügeln,
Zur Nachtzeit durch die Luft, und, auf den Rücken
Geworfen, staunen ihn, von Glanz geblendet,
Der Welt betroffene Geschlechter an.
Wir alle mögen, Hoh‘ und Niedere,
Von den Ruinen unsers Glücks umgeben,
Gebeugt von Schmerz, die Himmlischen verklagen,
Doch du Erhabene, du darfst es nicht!
Denn eine Glorie, in jenen Nächten,
Umglänzte deine Stirn, von der die Welt
Am lichten Tag der Freude nichts geahnt:
Wir sahn dich Anmut endlos niederregnen,
Daß du so groß als schön warst, war uns fremd!
Viel Blumen blühen in dem Schoß der Deinen
Noch deinem Gurt zum Strauß, und du bists wert,
Doch eine schönre Palm erringst du nicht!
Und würde dir, durch einen Schluß der Zeiten,
Die Krone auch der Welt: die goldenste,
Die dich zur Königin der Erde macht,
Hat still die Tugend schon dir aufgedrückt.
Sei Teure, lange noch des Landes Stolz,
Durch frohe Jahre, wie, durch frohe Jahre,
Du seine Lust und sein Entzücken warst!

Hugo Ball: Intermezzo

Hugo Ball

Sieben schizophrene Sonette

7. Intermezzo

Ich bin der große Gaukler Vauvert.
In hundert Flammen lauf ich einher.
Ich knie vor den Altären aus Sand,
Violette Sterne trägt mein Gewand.
Aus meinem Mund geht die Zeit hervor,
Die Menschen umfaß ich mit Auge und Ohr.

Ich bin aus dem Abgrund der falsche Prophet,
Der hinter den Rädern der Sonne steht.
Aus dem Meere, beschworen von dunkler Trompete,
Flieg ich im Dunste der Lügengebete.
Das Tympanum schlag ich mit großem Schall.
Ich hüte die Leichen im Wasserfall.

Ich bin der Geheimnisse lächelnder Ketzer,
Ein Buchstabenkönig und Alleszerschwätzer.
Hysteria clemens hab ich besungen
In jeder Gestalt ihrer Ausschweifungen.
Ein Spötter, ein Dichter, ein Literat
Streu ich der Worte verfängliche Saat.