Hugo Ball: Die Erfindung

Hugo Ball

Sieben schizophrene Sonette

2. Die Erfindung

Als ich zum ersten Male diesen Narren
Mein neues Totenwäglein vorgeführt,
War alle Welt im Leichenhaus gerührt
Von ihren Selbstportraits und anderen Schmarren.

Sie sagten mir: nun wohl, das sei ein Karren,
Jedoch die Räder seien nicht geschmiert,
Auch sei es innen nicht genug verziert
Und schließlich wollten sie mich selbst verscharren.

Sie haben von der Sache nichts begriffen,
Als daß es wurmig zugeht im Geliege
Und wenn ich mich vor Lachen jetzt noch biege,

So ist es, weil sie drum herum gestanden,
Die Pfeife rauchten und den Mut nicht fanden,
Hineinzusteigen in die schwarze Wiege.

Samstag, 4. Juni 2016

Der 4. Juni ist der 155. Tag des gregorianischen Kalenders (der 156. in Schaltjahren), somit verbleiben noch 210 Tage bis zum Jahresende.

Nationalfeiertag Japan – Grüner Tag (midori no hi)

Nationaler Gedenktag Tonga – Unabhängigkeit von Großbritannien (1970)

Nationales Totengedenken Niederlande – Gedenktag an die Toten der Kriege, kein freier Tag

Europatag – Jahrestag der Gründung des Europarats (1949)

Tag des Heißluftballons – der amerikanische Hot Air Balloon Day

Weltumwelttag – World Environment Day 2013

Aktionstag Nachhaltigkeit, initiiert vom Rat für Nachhaltige Entwicklung anlässlich der internationalen Umweltkonferenz Rio+20

Namenstage Eva, Franz, Quirin, Werner

Hugo Ball: Der grüne König

Hugo Ball: Sieben schizophrene Sonette

 

1. Der grüne König

Wir, Johann, Amadeus Adelgreif,
Fürst von Saprunt und beiderlei Smeraldis,
Erzkaiser über allen Unterschleif
Und Obersäckelmeister vom Schmalkaldis

Erheben unsern grimmen Löwenschweif
Und dekretieren vor den leeren Saldis:
„Ihr Räuberhorden, eure Zeit ist reif.
Die Hahnenfeder ab, ihr Garibaldis.

Man sammle alle Blätter unserer Wälder
Und stanze Gold daraus, soviel man mag,
Das ausgedehnte Land braucht neue Gelder.

Und eine Hungersnot liegt klar am Tag.
Sofort versehe man die Schatzbehälter
Mit Blattgold aus dem nächsten Buchenschlag.“

Freitag, 3. Juni 2016

Der 3. Juni ist der 154. Tag des gregorianischen Kalenders (der 155. in Schaltjahren), somit bleiben 211 Tage bis zum Jahresende.

Nationalfeiertag Polen – Tag der Verfassung (1791 Verfassung vom 3. Mai)

Nationalfeiertag Japan – Tag der Nachkriegsverfassung (kenpō kinenbi)

Internationaler Tag der Pressefreiheit – angeregt 1991 durch UNESCO, 1992 durch Vereinte Nationen proklamiert

Tag der Wiederholungen – der amerikanische National Repeat Day

Europäischer Tag des Fahrrads

Namenstage Archibald, Kevin

Karl Marx: Der Wassergreis

Karl Marx

Der Wassergreis

Wasser rauscht so seltsam dort,
Kreist sich in Wellen fort,
Glaubt wohl! es fühle nicht,
Wie sich die Woge bricht,
Kalt sei’s im Herzen, kalt in dem Sinn,
Rausche nur, rausche nur hin.

Doch in den Wellen, im Abgrund heiß,
Sitzt gar ein alternder Greis,
Tanzt auf, tanzt ab, wenn der Mond sich zeigt,
Wenn Sternlein aus Wolken steigt,
Springt gar seltsam und ringt gar sehr,
Will trinken das Bächlein leer.

Wellen sind ja die Mörder sein,
Zehren und nagen des Alten Gebein,
Grinzt ihm eisig durch Mark und Glied,
Wenn er die Wogen so springen sieht,
Schneid’t gar ein bängliches Wehgesicht,
Bis Sonnenglanz Mondtanz verbricht.

Wasser rauscht dann so seltsam dort,
Kreist sich in Wellen fort,
Glaubt‘ wohl, es fühle nicht,
Wie sich die Woge bricht,
Kalt sei’s im Herzen, kalt in dem Sinn,
Rausche nur, rausche nur hin.

Donnerstag, 2. Juni 2016

Der 2. Juni ist der 153. Tag des gregorianischen Kalenders (der 154. in Schaltjahren), somit bleiben 212 Tage bis zum Jahresende.

Nationalfeiertag Italien – Festa della Repubblica (Tag der Republik)

Mach-früher-Feierabend-Tag – der amerikanische National Leave the Office Early Day

Welt-Naturisten-Tag

Internationaler Hurentag (seit 1975)

Namenstag Armin

Franz Kafka: Auf der Galerie

Franz Kafka: Auf der Galerie.

Wenn irgendeine hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin in der Manege auf schwankendem Pferd vor einem unermüdlichen Publikum vom peitschenschwingenden erbarmungslosen Chef monatelang ohne Unterbrechung im Kreise rundum getrieben würde, auf dem Pferde schwirrend, Küsse werfend, in der Taille sich wiegend, und wenn dieses Spiel unter dem nichtaussetzenden Brausen des Orchesters und der Ventilatoren in die immerfort weiter sich öffnende graue Zukunft sich fortsetzte, begleitet vom vergehenden und neu anschwellenden Beifallsklatschen der Hände, die eigentlich Dampfhämmer sind — vielleicht eilte dann ein junger Galeriebesucher die lange Treppe durch alle Ränge hinab, stürzte in die Manege, riefe das: Halt! durch die Fanfaren des immer sich anpassenden Orchesters.

Da es aber nicht so ist; eine schöne Dame, weiß und rot, hereinfliegt, zwischen den Vorhängen, welche die stolzen Livrierten vor ihr öffnen; der Direktor, hingebungsvoll ihre Augen suchend, in Tierhaltung ihr entgegenatmet; vorsorglich sie auf den Apfelschimmel hebt, als wäre sie seine über alles geliebte Enkelin, die sich auf gefährliche Fahrt begibt; sich nicht entschließen kann, das Peitschenzeichen zu geben; schließlich in Selbstüberwindung es knallend gibt; neben dem Pferde mit offenem Munde einherläuft; die Sprünge der Reiterin scharfen Blickes verfolgt; ihre Kunstfertigkeit kaum begreifen kann; mit englischen Ausrufen zu warnen versucht; die reifenhaltenden Reitknechte wütend zu peinlichster Achtsamkeit ermahnt; vor dem großen Saltomortale das Orchester mit aufgehobenen Händen beschwört, es möge schweigen; schließlich die Kleine vom zitternden Pferde hebt, auf beide Backen küßt und keine Huldigung des Publikums für genügend erachtet; während sie selbst, von ihm gestützt, hoch auf den Fußspitzen, vom Staub umweht, mit ausgebreiteten Armen, zurückgelehntem Köpfchen ihr Glück mit dem ganzen Zirkus teilen will — da dies so ist, legt der Galeriebesucher das Gesicht auf die Brüstung und, im Schlußmarsch wie in einem schweren Traum versinkend, weint er, ohne es zu wissen.

Wie kommst du besser durch den Tag

Mit dem 10-3-2-1-0-Trick gelingt angeblich alles, meint der Fitness-Coach Craig Ballantyne, dem es auch egal ist, ob du Lerche (=Frühaufsteher) oder Eule (=Nachtmensch) bist.

10: In den zehn Stunden vor dem Schlafengehen: Kein Koffein zu sich nehmen

3: In den drei Stunden vor dem Schlafengehen: Nichts Essen und keinen Alkohol trinken

2: In den zwei Stunden vor dem Schlafengehen: Nicht arbeiten

1: In der einen Stunde vor dem Schlafengehen: Alle Bildschirme ausmachen

0:  Niemals die Snoozetaste am Wecker nutzen, also sofort aufstehen

Ergebnis: Dein Körper ist ausgeruht, Dein Geist ist fit. Die besten Voraussetzungen für einen produktiven Tag mit möglichst viel Erfolg.

Die eine Stunde ohne Bildschirm gilt hoffentlich nicht für Ebook-Reader oder Ebook-Reader Apps. Dann wäre ich chanchenlos jemals ausgeruht und fit zu sein.

 

Mittwoch, 1. Juni 2016

Der 1. Juni ist der 152. Tag des gregorianischen Kalenders (der 153. in Schaltjahren), somit verbleiben noch 213 Tage bis zum Jahresende.

Nationalfeiertag Samoa

Albert-Schweitzer-Tag – Initiiert von den Albert-Schweitzer-Kinderdörfern und Familienwerken Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Erinnerung an ihren Paten, den großen Humanisten, Theologen, Arzt und Menschenfreund Albert Schweitzer

Internationaler Kindertag – Anfänge in chinesischer Tradition, seit 1950 in vielen – vor allem – Sozialistischen Ländern (z.B. DDR) als Kampftag für eine glückliche Zukunft der Kinder, Weltfrieden, und Kinderrechte eingeführt. In Deutschland seit den 2000er Jahren neben dem 20. September verstärkt auch wieder offiziell begangen

Weltmilchtag  – Internationaler Tag der Milch

Weltbauerntag

Weltelterntag

Sag-etwas-Nettes-Tag – der amerikanische National Say Something Nice Day

Namenstag Kunibert

Christian Morgenstern: Galgenbruders Frühlingslied

Galgenbruders Frühlingslied

Es lenzet auch auf unserm Span,
o selige Epoche!
Ein Hälmlein will zum Lichte nahn
aus einem Astwurmloche.

Es schaukelt bald im Winde hin
und schaukelt bald drin her.
Mir ist beinah, ich wäre wer,
der ich doch nicht mehr bin..

Quelle:
Christian Morgenstern:
Ausgewählte Werke. Leipzig 1975, S. 252-253.