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Sonnabend, 29. Juli 2017
3:45 Aufgewacht nach langer Leichtschlafphase und schmerzendem linken Arm. Der Arm schmerzt seitdem bei dem letzten Tropf mit Procain der Handrücken und die Armbeuge angeschwollen sind, weil der Tropf nicht richtig lief. Lt. Wikipedia wird dieser Schaden im Medizinersprech als Paravasation bezeichnet.
Paravasation bedeutet, dass eine medizinische Infusion, die der Patient bekommt, fälschlicherweise nicht in die für diese Infusion vorgesehene Vene gelaufen ist, sondern in das umgebende Armgewebe.
Paravasation kann eine gefährliche Nebenwirkung von i.v.-Infusionen sein. Paravasation ist die versehentliche Gabe einer intravenösen (i.v.) Infusion in das umgebende Armgewebe statt der dafür vorgesehenen Vene. Diese versehentliche Gabe kann durch Durchsickern passieren, z. B. bei betagten Patienten mit sehr durchlässigen Venen, oder weil die Infusionsnadel die Vene durchstochen hat. Die Austrittsöffnung liegt dann im eigentlichen Armgewebe und die Infusion läuft direkt in das Armgewebe. Dies kann z. B. bei Kindern passieren, die ihren Arm zu sehr bewegen, oder weil die Infusionsnadel von Anfang an nicht sehr gut platziert war, oder wenn der Patient auf seinem Arm liegend einschläft, usw. Paravasation während einer Infusion ist eine Nebenwirkung, die vermieden werden kann und muss. In mittleren Fällen verursacht eine Paravasation Schmerzen, Rötung, Reizung und Schwellung an dem Arm mit der Infusionsnadel. In schweren Fällen tritt eine Nekrose des Armgewebes auf. In sehr seltenen, extrem schweren Fällen kann sie sogar den Verlust des Armes bedeuten.
Der Schaden nach einer Paravasation kann leicht, mittel oder schwer ausfallen. Falls nur die reine Trägerlösung (meist entweder Kochsalzlösung = 0,9 % NaCl-Lösung oder Zuckerlösung = 5 % Glukose-Lösung) infundiert wurde, wird der Schaden leicht ausfallen. Manche Arzneimittel verursachen an dem Arm mit der Infusionsnadel nach einer Paravasation nur einen mittleren Schaden; sie werden als „irritant“ bezeichnet. Andere Arzneimittel verursachen an dem Arm mit der Infusionsnadel einen schweren Schaden; sie werden als „vesikant“ bezeichnet.
Die beste „Behandlung“ einer Paravasation ist die Vorbeugung, da es keine spezifische Behandlung einer Paravasation gibt. Obwohl die Wirksamkeit verschiedener Maßnahmen nicht sehr hoch ist, sollten sie nach einer Paravasation doch immer durchgeführt werden. Sofortiges Stoppen der Infusion. Dies muss geschehen, wenn die Umgebung der Infusionsnadel rot wird, heiß wird, brennt, oder anschwillt. Den Infusionsschlauch gegen eine Einmalspritze austauschen und Infusionsflüssigkeit aspirieren Infusionsnadel aus dem Arm entfernen. Arm in hochgehobener Position lagern. Falls an dem Arm Blasen sind, den Inhalt der Blasen mit einer neuen, dünnen Nadel entfernen. Falls für das paravasierte Arzneimittel Substanz-spezifische Maßnahmen empfohlen werden, diese ausführen, z. B. lokale Kühlung, lokale Wärme, DMSO, Hyaluronidase oder Dexrazoxan. Neue klinische Studien zeigen, dass Dexrazoxan nach einer Paravasation von Anthrazyklinen wirksam ist d. h., das Entstehen einer Gewebsnekrose verhindern kann. In zwei multizentrischen, nicht-verblindeten, nicht-kontrollierten, kleinen Phase-II klinischen Studien entwickelten nach der Anwendung von Dexrazoxan 98 % der Patienten nach einer Paravasation von einem Anthrazyklin keine Gewebsnekrose. (Die Anthrazykline beinhalten Daunorubicin, Doxorubicin, Epirubicin, Idarubicin, usw.)
Effektive Schmerzbehandlung ist für den Patienten sehr wichtig, genau so wie eine lückenlose Dokumentation und Vorbeugung gegen eine Infektion und Superinfektion. Falls so eine Situation eintritt, ein Antibiogram anfordern und den Facharzt für Infektionskrankheiten hinzuziehen. Regelmäßige Kontrollen und Nachsorge sind notwendig.
Als Trägerlöung für das Procain wurde Natriumbicarbonat benutzt. Natriumbicarbonat ist vesikant, also gewebsnekrotisierend.
Falls die Schmerzen bis Montag nicht nachlassen oder sogar stärker werden, muss ich wohl schon wieder zu Dok Wim.
Zunächst habe ich eine Email an die Palliativstation geschickt mit der Frage, ob meine Sorge unbegründet ist oder ob Maßnahmen ergriffen werden müssen.
Den Text, der den zeitlichen Ablauf im Krankenhaus schildert, habe ich bei Evernote gespeichert unter „Paravasation Linker Arm“.
Es bleibt spannend. Nicht das das schön wäre, ein wenig Ruhe dürfte auch gern mal seien, kehrt dann hoffentlich nach dem Hauptumzugstag am Mittwoch, den 2. August ein.
Freitag, 28. Juli 2017
6.40 Gegen vier Uhr war ich wach, konnte aber wieder einschlafen. Lt. Schlaf App sank meine Atemfrequen kurz vor 23 Uhr bis auf acht herunter, um dann rapide auf normale Werte zu steigen. Offenbar sorgt die CPAP(continuous positive airway pressure)-Beatmung dafür, dass es nicht zum Atemstillstand kommt.
Während meines Krankenhaushausaufenhalts wurde mein Blutzucker mehrmals am Tag gemessen. Erstaunlich fand ich, dass mein Blutzucker vor dem Frühstück, also nüchtern erheblich höher war als nach dem Frühstück. Es sollte genau umgekehrt sein.
Eine mögliche Erklärung habe ich im Schlafapnoe Artikel bei Wikipedia gefunden. Diabetes mellitus, Typ 2, wird seit Anfang 2002 immer häufiger in Zusammenhang mit dem OSAS (Obstructive Schlaf Apnoea Syndrom) gebracht. Es besteht ein linearer Zusammenhang zwischen dem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) und der Insulin-Resistenz. Der Blutzucker ist also umso höher, je mehr Atempausen pro Stunde Schlaf auftreten. Nach einer eingeleiteten nCPAP-Therapie kann die nächtliche Zuckerneubildung (Gluconeogenese) deutlich vermindert werden und die morgendlichen Blutzuckerwerte sinken.
Ich sollte wohl doch möglichst bald einen Termin bei einem Lungenfacharzt oder falls möglich gleich im Schlaflabor machen, um mein Schlaftherapiegerät überprüfen und neu einstellen zu lassen. Dazu muss ich versuchen Helga von der Dringlichkeit zu überzeugen. Sie meint ich würde mich zu viel mit meinen Krankheiten beschäftigen und sollte besser mit jemanden über meine Ängste reden.
Ich sehe es nicht so, dass ich aus Angst vor dem Tod getrieben bin, sondern lediglich objektive Werte nutze, um Folgeschäden zu verhindern. Eine niedrige Atemfrequenz führt zu Sauerstoff angel im Gehirn und auf Dauer drohen Herzinfarkt und/oder Schlaganfall. Einige Blutwerte deuten schon an, dass da etwas in die falsche Richtung geht. Bloß weil ein Schmerztherapeut und ein Diabetologe diese Zusammenhänge nicht erkennt, ist nicht automatisch alles in Ordnung. Sind die ganzen Messungen im Krankenhaus nur Beschäftigungstherapie für Praktikanten? Sind die vierteljährlichen Blutuntersuchungen nur das Mittel, um mehr Leistungen abrechnen zu können? Oder liegt es in meiner Verantwortung die richtige Maßnahme zu ergreifen, um Schäden zu verhindern? Ist nur der Patient für Prevention zuständig? Ist deshalb das Gesundheitssystem so stark belastet, weil nur noch Geld zum beseitigen oder lindern von Schäden ausgegeben wird und das Vorbeugen zu kurz kommt? Scheinbar werden nicht einmal die vorhandenen Werte interpretiert, um hilfreiche Schlüsse daraus zu ziehen. Stattdessen beschäftigt sich mein Arzt hauptsächlich damit meine Medikamentenliste zu aktualisieren, statt mit mir zu reden. Das könnte doch sicherlich eine erfahrene Mitarbeiterin machen.
Dabei fällt mir ein wie anders als sonst ich den Moment im Wartezimmer erlebt habe, als ich das zweite Mal in das Wartezimmer ging, um auf mein BTM Rezept zu warten. Früher war es mir peinlich sehr viel Zeit im Wartezimmer zu verbringen, gestern habe ich diabolisch gegrinst als ich wieder in’s Wartezimmer ging und dort die gleichen Leute saßen, die auch schon dort waren, als ich aufgerufen wurde und mich mit Blicken scheinbar töten wollten. Gedacht habe ich in diesem Moment: Manchmal wäre es vielleicht einfacher sich zusammen zu reißen und arbeiten zu gehen statt sich die Warterei beim Arzt an zu tun. Wahrscheinlich habe ich das viel zu oft gemacht, weil ich geglaubt habe, ich wäre wichtig oder das was ich gemacht habe, wäre wichtig.
Alte Wohnung again
4:20 Das wird scheinbar meine neue Aufwachzeit. Auch zu Hause werde ich nach sechs bis sieben Schlaf wach und schlafe dann nicht wieder ein. Später einschlafen, könnte die Aufwachzeit vielleicht mehr in Richtung Sonnenaufgang verschieben, nur kann ich die Augen schon sehr früh am Abend nicht mehr auf halten.
Vorige Woche habe ich mich noch darüber gewundert, dass meine Schlafüberwachungs App „Sleep as Android“ einen sehr niedrigen Puls aufzeichnet. Heute merke ich endlich, dass die Atemfrequenz nicht gleich Puls ist. Normal soll eine Atemfrequenz von 12 bis 18 Atemzüge pro Minute sein. Meine Atemfrequenz liegt in diesem Bereich, um dann zwischen vier und fünf Uhr unter 10 zu sinken und ich wache dann auf. Sobald ich mich vom Krankenhaus Aufenthalt erholt habe, sollte ich vielleicht eine Überprüfung meines Atemtherapie Gerätes im Schlaflabor in Betracht ziehen. Solange es noch warm ist, will ich das eher nicht in Angriff nehmen. Der neue Bademantel ist so schön flauschig, aber aktuell zu stark wärmend.
Wie gestern Mittag schon mal brennen und jucken meine Augen sehr stark.
Um 7.00 fahre ich mit der SB10 vom Vluyner Südring zum Rathaus Neukirchen, um rechtzeitig zur Akutsprechstunde in die Praxis Wim van Heijningen zu kommen. Nach drei Haltestellen schießt mir durch den Kopf: Wie komme ich wieder nach Hause. Die Praxis liegt zwischen zwei Haltestellen und ich traue mir noch nicht zu so weit zu laufen, da ich nicht mal meinen Rollator dabei habe. Der Schreck hatte gerade Zeit genug sich aus zu breiten, da fällt mir ein, dass ich auf meinem Elektro Rollstuhl sitze.
Alles gut. Adrenalin Zufuhr kann gestoppt werden. Ich kann sogar an frischer Luft nach Hause fahren und mir unterwegs die neuen Baustellen an der Niederrheinallee anschauen. Fällig ist heute dann auch eine Nikotin Zufuhr und die obligatorische Koffeindröhnung. Penny ist direkt gegenüber und hat alles, was ich gleich benötige. Die Apotheke ist erst später dran.
Palliativstation Tag 10 (letzter Tag)
3:30 Ich bin wach und kann nicht mehr einschlafen. Noch ca. 12 Stunden bis ich nach Hause kann. Nun doch erst einmal in die alte Wohnung. Ein Kurzzeitpflegeplatz in der Ferienzeit zu finden, ist unmöglich. Praktisch wäre die Kurzzeitpflege eine Etage über der Palliativstation gewesen. Das Carpe diem in Neukirchen-Vluyn Ortsteil Neukirchen wäre wegen dem freien WLAN eine schöne Alternative. Von dort gibt es nicht einmal eine Antwort.
Da ich aber sogar ohne Rollator kleine Strecken ohne nennenswerten Schmerzzuwachs bewältigen kann, sehe ich das ganze viel lockerer als noch vor 10 Tagen.
Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ein Schmerzmittel die Schmerzen mit hohen Dosen (100 fache Morphin Wirkung) mit 800 Mikrogramm oral nur kurzfristig bekämpft oder ob ein Schmerzmittel mit mittlerer Dosis (50 fache Morphin Wirkung) mit 70 Mikrogramm pro Stunde gleichmäßig transdermal gleichmäßig für eine Schmerreduzierung auf ein erträgliches Maß reduziert. Da außerdem ganz andere Rezeptoren im Gehirn angesprochen werden, scheint auch die intellektuelle Beeinträchtigung nicht so hoch zu sein wie bei Morphin, Fentanyl und Oxycodon. Alle drei zusammen machen einen zum Zombie ohne den Drang seine Mitmenschen essen zu wollen.
Das soll nicht heißen, dass alles komplett in Ordnung ist. Trotz Lyrica und Fluoxetin bin ich nicht durchgehend fröhlich als hätte ich einen Clown gefrühstückt. Mein Verständnis für andere Menschen und meine Empathiefähigkeit ist noch sehr stark am Zombielevel. Ich bin ein Soziopath oder nicht weit davon entfernt. Das macht es gerade für Menschen, die mich gut leiden können (ja, die soll es tatsächlich geben) besonders schwer mit mir um zu gehen. Ich bin manchmal zu erschöpft, um zu kommunizieren und dabei meine Sympathie zum Ausdruck zu bringen.
Andererseits fällt es mir zu leicht Menschen ab zu lehnen, von denen ich den Eindruck habe sie benutzen ihr Gehirn nicht ausreichend, weil sie Angst haben das Gehirn würde bei Gebrauch verschwinden wie ein Stück Seife. Mir ist klar, daß es höchst arrogant ist, Menschen spüren zu lassen, was ich von ihnen halte, sobald ich sie auf diese Weise abstempel. Aber leider fühlt es sich gut an.
Das geht sogar so weit, dass ich meine Aggression in bestimmten Situationen kaum im Zaum halten kann. Zum ersten Mal kann ich verstehen, wieso es Amokläufer gibt. Es gab Situationen in denen ich fast etwas sehr Blödes gemacht hätte, das dann möglicherweise weitere Kreise gezogen hätte.
Beispiel: Palliativstation, Zweibettzimmer. Ich werde vom lauten Fernseher geweckt, weil ich gerade in eine Leichtschlafphase gewechselt bin und der Zimmerkollege schläft, nutzt also den Fernseher nicht. Sofort schießt derartig viel Adrenalin in’s Blut, daß mir das Herz bis zum Hals schlägt und ich mich nur schwer beherrschen kann, den Fernseher nicht von der Wand zu reißen und dem Zimmernachbar nicht damit den Schädel ein zu schlagen. Und warum sollte ich dann damit aufhören. Die Frage ist doch nicht, warum machen Menschen so etwas, sondern warum machen es nur so wenige.
Der
Palliativstation Tag 9
Heute habe ich mal eine Stunde länger geschlafen, weil mein Schlaf gegen halb zwölf durch den lauten Fernseher unterbrochen wurde. Der Zimmerkollege schlief währenddessen. Mich hat das derartig aufgeregt, dass trotz Blasendruck nur schwer Wasser lassen konnte und danach mehr als eine Stunde gebraucht habe, um wieder einzuschlafen. Besonders erschreckend finde ich heute, daß ich in dieser Situation sehr aggressiv war, so dass ich fast den Fernseher von der Wand gerissen hätte. Sind das die Situationen mit dem Adrenalin Überschuss, die einen Menschen zum Mörder oder Amokläufer machen?
Durch Zufall (oder ?) habe ich heute ein Buch entdeckt, Harald Welzer: TÄTER, Wie aus
ganz normalen Menschen Massenmörder werden, das mit folgendem Zitat beginnt:
Wenn Menschen, die eine gleiche Erziehung genossen haben wie ich,
die gleichen Worte sprechen wie ich und gleiche Bücher,
gleiche Musik, gleiche Gemälde lieben wie ich, wenn
diese Menschen keineswegs gesichert sind vor der
Möglichkeit, Unmenschen zu werden und Dinge zu tun,
die wir den Menschen unserer Zeit, ausgenommen die pathologischen
Einzelfälle, vorher nicht hätten zutrauen können,
woher nehme ich die Zuversicht, daß ich davor gesichert sei?
Max Frisch, 1946
Diese Sicherheit gibt es wohl nicht, auch wenn man glauben möchte, dass Menschen, die weder Bücher lesen, noch Musik hören und mit jedweder Kunst nichts anfangen können, eher gefährdet sind derartig zu verrohen.
Nach der Visite gilt als gesichert, dass ich morgen nach Hause kann. Also noch eine Nacht mit oberflächlichem Schlaf ohne REM Phase und dem morgentlichen Bedürfnis nach Fenchel Tee.
Palliativstation Tag 8
Gestern bin ich vom Leben eingeholt worden. Mein Bruder hat mich besucht und wir haben mehrere Stunden miteinander gesprochen, als würden das regelmäßig so machen, obwohl wir uns schon seit mehreren Jahren nicht mehr getroffen haben. Der Nachmittag war gefühlt so schnell vorbei und ich war so ergriffen und froh darüber, dass ich völlig vergessen hatte meinen gestrigen Blog Eintrag weiter zu schreiben.
„Der ist kein freier Mensch, der sich nicht auch mal dem Nichtstun hingeben kann.“
– Marcus Tullius Cicero
Palliativstation Tag 7
Es regnet. Es ist 4.15 Uhr. Ich bin wach und so gut wie schmerzfrei bis auf Schmerzen im rechten Knie und linken Arm. Auch die Fibromyalgie Schmerzen nehmen wieder zu, sind aber erträglich.
Ich kann es immer noch kaum glauben, dass ich ab jetzt ohne starke Schmerzen leben darf und trotzdem einigermaßen bei Verstand bin. Wobei ich für möglich halte, ich bilde mir nur ein, wieder ein richtiges Leben zu haben mit auch später noch erinnerbaren Emotionen.
Was auch weiterhin nachläst: meine Fähigkeit zur Erinnerung. Ohne meine Notizen in einer Cloud kann ich mich nur an sehr wenige Passworte erinnern. Meine Rentenversicherungsnummer habe ich auswendig gewusst, jetzt muss ich erst einmal nachschauen. Ohne WWW wäre ich aufgeschmissen. Nicht mal die Medikamente, die ich z. Zt. einnehme, kann ich vollständig nennen. Ich muss dringend wieder Ergotherapie Übungen machen und die Terraband Übungen fortsetzen.
Palliativstation Tag 6
4.10 Für mich ist die Nacht vorbei. Schmerzniveau eine erstaunliche 2 in Ruhe, 3 in Bewegung. Könnte der erste gute Tag seit Jahren werden.
Der Kirchenmann hatte gestern eine erstaunliche Frage an mich: Über was haben Sie sich in den letzten drei Jahren gefreut. Obwohl ich sicher bin, daß es etwas gegeben haben muss, ist mir nichts eingefallen. Das hat mich sehr erschüttert. Es ist doch eher umgekehrt. Ich vergesse das Unangenehme oder beschönige es im Nachhinein, aber ich vergesse doch nicht das Schöne. Haben die Medikamente (Drogen), die ich bis letzten Sonntag genommen habe, meine Wahrnehmung so stark verändert. Werde ich deswegen manchmal nicht verstanden, nicht ernst genommen, gemieden?
Ist mein Selbstbild so sehr viel anders als die Wahrnehmung anderer Menschen?
Bin ich der Vollpfosten, der Lebenshorst?
Jetzt wo ich ihn bräuchte, hat Dominik aufgehört, aber die Zeit wäre auch verkehrt. Ich habe Krisen eher zwischen 3 und 5 Uhr.
Noch min. drei Stunden bis zum Frühstück.
Hugo Ball: Der grüne König
Hugo Ball: Der grüne König
Wir, Johann, Amadeus Adelgreif,
Fürst von Saprunt und beiderlei Smeraldis,
Erzkaiser über allen Unterschleif
Und Obersäckelmeister vom Schmalkaldis
Erheben unsern grimmen Löwenschweif
Und dekretieren vor den leeren Saldis:
„Ihr Räuberhorden, eure Zeit ist reif.
Die Hahnenfeder ab, ihr Garibaldis.
Man sammle alle Blätter unserer Wälder
Und stanze Gold daraus, soviel man mag,
Das ausgedehnte Land braucht neue Gelder.
Und eine Hungersnot liegt klar am Tag.
Sofort versehe man die Schatzbehälter
Mit Blattgold aus dem nächsten Buchenschlag.“