Montag, 20. Juni 2016

Der 20. Juni ist der 171. Tag des gregorianischen Kalenders (der 172. in Schaltjahren), somit bleiben 194 Tage bis zum Jahresende. Am 20. (bzw. 21.) Juni steht die Sonne mittags am nördlichen Wendekreis im Zenit und geht am nördlichen Polarkreis nachts nicht mehr unter, dieser Tag ist somit in der nördlichen Erdhälfte der längste des Jahres, die Sommersonnenwende

Nationalfeiertag Argentinien Argentinien – Tag der argentinischen Flagge

Weltflüchtlingstag –  Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung – bis 2000: Tag des afrikanischen Flüchtlings

Tag des Vanille-Milchshake – der US-amerikanische National Vanilla Milkshake Day

Namenstag Adalbert

 

Ludwig Rubiner: Die Stadt

Ludwig Rubiner

Die Stadt

Er kam vom Hügel. Ein ferner Stern zog weiß
Die Straße zur Tiefe. Die Füße sprangen schnell,
Die Augen stachen durchs gelbgeballte Haar.
Die Nacht sprang aus der Erde, blau und leis.
Der weiße Stern stand weit, die Nacht lag hell.
Die Nacht zerriss den Stern zum weißen Paar,
Die Straße wich zurück in blauem Lauf,
Die Sterne zuckten hastig höher auf.
Ein Wind zog herüber, irr von Geschrei und heiß.

Er lief schon schwankend. Glückselig sah er sacht
Die Straße rollen rötlich zum silbernen Schein
Der riesigen Türme. Deren Lampen schwangen
Spielend mit den Ufern der blitzenden Nacht
An der Straße über verblassendem Stein.
Die Füße hoben sich zum Flug und sprangen.
Die Nacht wurde klein, die Straße raschelte still.
Da schossen die Lampen zur Höhe und rissen schrill
Die Türme in den dunklen, ungeheuren Schacht.

Dunkel von Röcken und Hüten schwankt eine Wand;
Nur ihm hing nackt das gelbe Haar ums Gesicht.
Das Schattengewühl der Menge zog zur Stadt.
Da rissen die Türme die Straße breit ins Licht,
Die Lampenaugen, ewig wach, zuckten matt
Über den Glanz der Hüte ins steinerne Land.
Geschrei der Menge lief um die steilen Flanken
Der dunklen Terrasse. Sie saßen lässig und tranken.
Da sah er zwischen den Türmen das Seil gespannt.

Ein nackter Schatten wiegte es. Er blieb stehn,
Die Menschen wichen schweigend zu den Seiten.
Er stand unterm Seil. Sie rückten die Hüte nicht.
Er sah die nackte Frau übers Seil hingleiten.
Er stand ohne Atem. Er sah hoch oben das Licht
Laufen über die hellen Schenkel und Zehn.
Zur Stadt hinter den Türmen drängte die Menge vorbei.
Ein Wind flog über die Mauer, heiß von Geschrei.
Niemand im schwarzen Gewühl hatte aufwärts gesehn.

Die Augen der Lampen zuckten über die Frau.
Das Seil schwankte kreisend, als sie schnell sprang.
Sie war ernst, hoch oben. Ein Turmlicht zischte weiß,
Sie lächelte im Sprung zur Seite, wo es sang.
Das Turmlicht drückte ihr Haar im Schattenkreis
Hell auf die Nacht. Das Licht reckte sich lau
Zum blonden Stern des Bauchs. Ein Schattengürtel band
Sich schmal um sie. Flog hinauf. Verschwand.
Sie bückte sich und hob die Arme ins Blau.

Sie sprang ernst. Sie sah ihn und lächelte leer.
Die Menschen liefen zur Stadt durch die Mäuler der Steine.
Er stand im Gewühl ohne Atem. Das Turmlicht pfiff.
Über den steilen Glanz ihrer tanzenden Beine
Rannen siedende Blasen des Lichts hin und her –
Als sie plötzlich ins blaue Luftlicht griff.
Sie schwankt schon grinsend. Zur Nacht hinauf krallen
Zwei Falten. Aber niemand bleibt stehn. Sie muss fallen!
Der helle Stern ihres Bauchs zittert so sehr.

Die Häuser taumeln. Blass steigt ein weiter Kreis
Von bleichen Mauern auf im grünlichen Schein. –
Die Lampenaugen, ewig wach, zuckten matt
Über blaue Terrassen. Die Straßen raschelten leis.
Im Schattengewühl der Menge stand er klein.
Er lief klein und wild. Die Nacht sprang aus der Stadt.
Er lief über den Hügel. Die Nacht lag hell.
Fern stand ein weißer Stern. Die Füße sprangen schnell.
Ein Wind zog herüber, bunt von Geschrei und heiß.

 

Heinrich Seidel: Nach oben!

Heinrich Seidel

Nach oben!

Du darfst dich nicht nach unten vergleichen!
Hinz und Kunz sind leicht zu erreichen,
Müller und Schulze sind bald übertroffen –
Halt dir den Blick nach oben offen!

Sonntag, 19. Juni 2016

Der 19. Juni ist der 170. Tag des gregorianischen Kalenders (der 171. in Schaltjahren), somit verbleiben noch 195 Tage bis zum Jahresende.

Weltbummeltag – T.W. Rabe und der World Sauntering Day

Martinitag – National Martini Day

Namenstag Gervais

 

 

Rainer Maria Rilke: Der Knabe

Rainer Maria Rilke

Der Knabe

Ich möchte einer werden so wie die,
die durch die Nacht mit wilden Pferden fahren,
mit Fackeln, die gleich aufgegangnen Haaren
in ihres Jagens großem Winde wehn.
Vorn möcht ich stehen wie in einem Kahne,
groß und wie eine Fahne aufgerollt.
Dunkel, aber mit einem Helm von Gold,
der unruhig glänzt. Und hinter mir gereiht
zehn Männer aus derselben Dunkelheit
mit Helmen, die, wie meiner, unstät sind,
bald klar wie Glas, bald dunkel, alt und blind.
Und einer steht bei mir und bläst uns Raum
mit der Trompete, welche blitzt und schreit,
und bläst uns eine schwarze Einsamkeit,
durch die wir rasen wie ein rascher Traum:
Die Häuser fallen hinter uns ins Knie,
die Gassen biegen sich uns schief entgegen,
die Plätze weichen aus: wir fassen sie,
und unsre Rosse rauschen wie ein Regen.

Samstag, 18. Juni 2016

Der 18. Juni ist der 169. Tag des gregorianischen Kalenders (der 170. in Schaltjahren), somit verbleiben noch 196 Tage bis zum Jahresende.

Autistic Pride Day

Gönn-Dir-was-Tag – der US-amerikanische National Splurge Day

Internationaler Panik-Tag – International Panic Day

 

 

 

 

Betty Paoli: Unsere Sprache

Betty Paoli

Unsere Sprache

Deutsche Sprache! Zaubergarten
Du, mit Blumen aller Arten
Reich und wundersam bekränzt!
Schacht, in dessen dunkeln Gängen
Gold und Eisen sich vermengen
Und der Lichtkarfunkel glänzt!

Meer, aus dessen Wogenfülle
Ohne Schleier, ohne Hülle
Sich die reinste Schönheit hebt!
Luft aus klaren Aetherhöhen,
Die mit ihrem frischen Wehen
Wie des Morgens Hauch belebt!

Tief ist deine Macht begründet,
Einz’ges Band, das uns verbindet
Und so fest zusammenhält,
Daß von Deutschlands Ruhm und Leide
Jenseits der Atlantis Scheide
Deutsche Herzen noch geschwellt!

August von Kotzebue: Ariette

August von Kotzebue

Ariette

Das war ein Tier, mein Mauleselein!
Konnt‘ alle Tag‘ ein Ratsherr sein,
trat einher mit festem Schritte,
ging auf dem Wege stets in der Mitte,
reckte bei jedem Schall das Ohr
zwanzig Zoll hoch zierlich empor,
trug ohne Murren, wie Menschen nie pflegen,
schwere Lasten auf schweren Wegen,
scheute nicht Hitze, scheute nicht Frost,
nahm verlieb mit magerer Kost;
schritt so sicher auf glattem Eise,
sprach kein Wörtchen auf der Reise.

Freitag, 17. Juni 2016

Der 17. Juni ist der 168. Tag des gregorianischen Kalenders (der 169. in Schaltjahren), somit verbleiben noch 197 Tage bis zum Jahresende.

Nationalfeiertag Island Island Unabhängigkeitstag (1944)

Nationalfeiertag (ehemalig) Deutschland Deutschland – Gedenktag an den Aufstand des 17. Juni, von 1954 bis 1990 Nationalfeiertag (Tag der Deutschen Einheit)

Gedenktag Thüringen – Gedenktag für die Opfer des SED-Unrechts

Welttag für die Bekämpfung der Wüstenbildung und der Dürre

Iss-Dein-Gemüse-Tag – der US-amerikanische National Eat Your Vegetables Day

Tag des Apfelstrudels – der amerikanische Apple Strudel Day

Namenstage Adolf, Rainer

 

Martin Luther King

„Kein Problem wird gelöst, wenn wir träge darauf warten, dass Gott sich darum kümmert.“

(Martin Luther King – US-amerikanischer Baptistenpastor und Bürgerrechtler, 1929-1968)