Löwengrube ist eine Familien- und Kriminalserie, die in 32 einstündigen Folgen das Schicksal zweier Münchner Familien über Generationen hinweg vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1950er Jahre verfolgt.
Vom Radio ins Fernsehen
Die Löwengrube
Ihren Ursprung hat die Serie in einer Hörspielserie namens Die Grandauers und ihre Zeit, die von 1979 bis 1985 im Bayerischen Rundfunk lief und die das Schicksal der gleichen Familien nachzeichnet wie die Fernsehserie. Die Hörspielserie endet allerdings mit dem Kriegsende 1945. Weitere geplante Hörspielepisoden wurden nicht mehr produziert, da der Hauptdarsteller Karl Obermayr, der in der Hörspielserie den Ludwig Grandauer sowie dessen Sohn Benno Grandauer verkörperte, verstarb. Benno Grandauer heißt in der Fernsehserie zu Ehren Karl Obermayers nun Karl Grandauer. Einige Hörspielfolgen wurden nicht als TV-Folge übernommen. Zunächst beginnt die „Löwengrube“ erst mit der Hochzeit von Ludwig und Agnes (Folge 3 – Hochzeit – der Radioserie), und dann passten einige Folgen aus den 1920er Jahren nicht ganz zur Abteilung, in der Karl Grandauer Dienst tat, nämlich der Mordabteilung, da es hier um Fälle ging, die Betrug als Inhalt hatten.
Die Fernsehserie
Die Fernsehserie wurde von 1987 bis 1991 gedreht. Die erste Staffel (13 Folgen) lief vom 14. November 1989 bis Februar 1990 zum ersten Mal im Fernsehen. Die zweite Staffel (13 Folgen) war 1991 und die dritte Staffel (6 Folgen) vom Oktober 1992 bis November 1992 zum ersten Mal zu sehen. Drehbuchautor war Willy Purucker, Regie führte Rainer Wolffhardt. Die Aufgabe bestand darin, die großen Ereignisse der Geschichte Deutschland des 20. Jahrhunderts aus dem Blickwinkel der ganz normalen, so genannten kleinen Leute zu zeigen. Zu diesem Zweck wurden bestimmte politische bzw. weltanschauliche Positionen einzelnen Figuren zugeschrieben, um so die Auseinandersetzungen und Entwicklungen in der „großen Politik“ in die Erlebnisse der Familie Grandauer und ihres Umfelds zu übertragen. So ist Adolf Grandauer beispielsweise ein überzeugter Nationalsozialist, Karl Grandauer entspricht weitgehend dem Klischee vom „deutschen Beamten“, Adelgunde Soleder spielt die Rolle des naiv-halbgebildeten Hausmütterchens und Kurt Soleder die des jugendlichen Rebellen gegen jede Art von Obrigkeit.
Besonderheiten
- Der Name der Serie geht zurück auf die Adresse der früheren Polizeiinspektion in München: Löwengrube 1, wo sich noch heute die Werbestelle des Polizeipräsidiums München befindet.
- Die Schauspielerin Sandra White verstarb während der Dreharbeiten. Ihr Tod wurde in die Serie eingebaut.
- Zahlreiche historische Personen tauchen als Randfiguren auf: Der einstige Oberbürgermeister von München, Karl Scharnagl, Heinrich Himmler als Schüler, Adolf Hitler sich polizeilich anmeldend bzw. wird später als Putschist verhaftet in die Löwengrube gebracht, Rosa Luxemburg hält in München eine Rede, Pater Rupert Mayer als Häftling, und mit Georg Elsers versuchtem Attentat beschäftigt sich sogar eine ganze Folge.
- Franziska Stömmer (Adelgunde Soleder), Peter Pius Irl (Hauswart Uhl) und Joachim Wichmann (Vater Kampensi) übernahmen ihre Rollen, die sie schon in Die Grandauers und ihre Zeit gesprochen hatten, auch in der Fernsehserie. Zahlreiche Sprecher der Hörfunkserie kamen in anderen Rollen zurück. So spielte in der TV-Serie Gerd Anthoff den Amtmann Deinlein; in der Hörfunkserie hatte er den Adolf Grandauer gesprochen.
- Passend zur Ära der Episoden konnte das britische Pasadena Roof Orchestra zur Einspielung des Soundtracks gewonnen werden.
Auszeichnungen
1991 wurde die Serie mit dem Bayerischen Fernsehpreis und 1992 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet.
Siehe auch
Literatur
- Rolf Ulrici: Willy Puruckers Löwengrube. Die Grandauers und ihre Zeit 1897 – 1933, München 1989, ISBN 3-485-00594-0
Weblinks