Im Lenz

von Gustav Mahler  

Sag‘ an, du Träumer am lichten Tag.
Was willst du heut‘ mit dem Bangen?
Du wandelst so stumm durch Lenz und Hag,
Als wärst du von Blindheit befangen.

„Ich bin nicht blind und sehe doch nicht,
Mir ist nicht dunkel und ist nicht licht.
Könnt‘ lachen und könnte weinen.
Doch sagen könnt‘ ich es keinem.“

O sieht dich die Sonne so freundlich an, 
Was sollen dir Schmerz und Reue?
Wirf ab deine Last, du trauriger Mann,
Und freu‘ dich an Sonne und Bläue.

„Mich freut keine Sonne, mich freut kein Blau
Und hab‘ doch den Frühling so gerne.
Ach, die ich allein nur am liebsten erschau,
Die weilt schon lang in der Ferne.“

Die Vorboten

von © Gabriela Bredehorn

Zwischen all der Winterruhe
zieht die Hoffnung durchs Geäst.
Lange warme Sonnenstrahlen
halten sich an Bäumen fest.

Wärme dringt zu ihren Wurzeln,
Knospen treiben langsam aus.
Unterhalb der Waldes Erde
schießen Frühjahrsblüher raus.

Diese bohren durch den Boden,
manches Pflänzchen zart und fein.
Jene öffnen ihre Glocken,
läuten den Vorfrühling ein.

Stieglitz, Buchfink, Eichelhäher
trällern zauberhaft im Wald.
Singen sich gar in die Herzen,
Frühling, Frühling wird es bald.

Tränenreise

Tränen laufen leise,
schau ihnen hinterher.
Nächtliche Reise,
hinein ins Tränenmeer.
Wollte sie unterdrücken,
nur nicht untergehen.

Und die Tränen tropfen leise,
auf dem Boden der Nacht.
Sie spielen ihre eigene Weise,
haben Melodien gebracht.

Tränen laufen leise,
schau ihnen hinterher.
Nächtliche Reise,
hinein ins Tränenmeer.
Wollte sie unterdrücken,
nur nicht untergehen.

Halberfroren – Bitterkeit,
Gedankenreise hakt.
Festgefahren – Ausgebremst,
Gefühlsbeben versagt.

Tränen laufen leise,
schau ihnen hinterher.
Nächtliche Reise,
hinein ins Tränenmeer.
Wollte sie unterdrücken,
nur nicht untergehen.

Tränenstrasse – Tränenmeer,
im Herzwasser gefangen.
Schmerzlich – Schmerzhaft,
in Gedanken verfangen.

Tränen laufen leise,
schau ihnen hinterher.
Nächtliche Reise,
hinein ins Tränenmeer.
Wollte sie unterdrücken,
nur nicht untergehen.

Grosse Mädchen weinen nicht,
die sind furchbar stark.
Doch ich wein im Mondenlicht,
weil ich Schwäche mag.

Tränen laufen leise,
schau ihnen hinterher.
Nächtliche Reise,
hinein ins Tränenmeer.
Wollte sie unterdrücken,
nur nicht untergehen.

Grosse Mädchen haben Glück,
sie sind nicht zu verletzen.
Doch ich behalt ein Scherbenstück,
mein Herz tat sich zersetzen.

Tränen laufen leise,
schau ihnen hinterher.
Nächtliche Reise,
hinein ins Tränenmeer.
Wollte sie unterdrücken,
nur nicht untergehen.

Und ich ertrink,
in einem Meer aus Tränen 

© MoonlightY

Schlaflied für mein Herz

von Johan Ludvig Runeberg  

Schlaf, du unruhiges Herz, schlaf!
Vergiss vergang’ne Lieb und Leid;
Hoffnung nicht den Frieden störe,
Träume nicht deine Ruhe.

Warum blickst du zum Tage noch?
Sage doch, was mehr erhoffst du?
Für die Wunden, deine tiefen,
eine heilende Blume?

Mein armes Herz, schließe dein Aug‘;
Tagesrosen hast du erprobt;
bloß in des Schlafes Dunkelheit
keimt der heilende Stängel.

Schau, die Lilie, sie schlummert ein,
gebrochen durch des Herbstes Wind.
Schlaf wie der Hirsch, den sie jagten,
getroffen er verblutet.

Weshalb sorgen den Tag, der war?
Wozu denken, dass froh du warst?
Einmal muss der Frühling welken,
einmal die Freud im Herzen!

Deinen Maitag hast du geseh’n,
auch wenn dieser nicht ewig blieb!
Such nicht dessen milde Flamme
nun in des Winters Schatten.

Siehst du die frohen Stunden noch?
Der Hain war grün, der Vogel sang,
und dein liebevoller Tempel
war der duftende Hügel.

Spürst du noch der Umarmung Druck?
Fühlst du das Herz, das dich gesucht,
und der kussbedeckten Lippen
dahinscheidenden Schwüre?

Da, als Auge in Auge sah,
Gespür gespiegelt in dir lag,
da war Zeit zum Wachen, Herz mein,
nun zum Schlummern, Vergessen.

Schlaf, du unruhiges Herz, schlaf!
Vergiss vergang’ne Lieb und Leid;
Hoffnung nicht den Frieden störe,
Träume nicht deine Ruhe.

© Willi Grigor, 2016, 
Übersetzung aus dem Schwedischen:


Vaggsång för mitt hjärta

Sov oroliga hjärta, sov!
Glöm vad världen har ljuvt och lett ;
intet hopp din frid förstöre,
inga drömmar din vila.

Varför ser du mot dagen än?
Säg, vad väntar du mer av den?
För de djupa sår, kanhända,
någon helande blomma?

Arma hjärta, slut ögat till ;
dagens rosor du prövat nog ;
blott i sömnens dunkla lustgård
gror den stängel, dig läker.

Sov, som liljan, hon slumrar bort,
flyktigt bruten av höstens vind.
Sov, som hinden, tyngd av pilar,
somnar in och förblöder.

Varför sörja förflutna dar?
Varför minnas att sällt du var?
En gång måste våren vissna,
en gång glädjen, o hjärta!

Även du har din majdag sett ;
vad, fast icke den evig blev!
Sök blott ej dess milda låga
än bland vintriga skuggor.

Minns du sällhetens stunder än?
Lunden grönskade, fågeln sjöng,
och ditt kärleksfulla tempel
var den doftande kullen.

Minns du famnen, som slöt dig där?
Minns du hjärtat, som sökte dig?
Minns du än den kyssbetäckta
läppens domnande eder?

Då när öga i öga såg,
känsla speglad i känsla låg,
då var tid att vaka, hjärta,
nu att slumra och glömma.

Sov, oroliga hjärta, sov!
Glöm vad världen har ljuvt och lett ;
intet hopp din frid förstöre,
inga drömmar din vila.

 Weitere Gedichte von Johan Ludvig Runeberg

Tocotronic – Pure Vernunft darf niemals siegen

Tocotronic – Bis uns das Licht vertreibt

The Supremes: You Can’t Hurry Love

U2 – With Or Without You (Deep House Mix By Mazen Hanna)

Wieviel Leid läßt sich ertragen bis man daran zu Grunde geht

„Mancher Mensch hat ein großes Feuer in seiner Seele, und niemand kommt, um sich daran zu wärmen.“ (Vincent van Gogh)

Als ich ich im vorigen Jahr 10 Tage auf der Paliativstation war, ist meine Katze verschwunden. Angeblich hätte sie mich gesucht und ist dann nicht mehr nach Hause gekommen.

Heute überraschte mich meine Gemahlsgattin mit dem Geständnis, die Katze wäre angefahren worden und hätte eingeschläfert werden müssen. Sie wählte den Ausdruck „Geständnis“.

Mich macht diese Bezeichnung misstrauisch. Warum ist das ein Geständnis. Warum erzählt sie es jetzt, wo sie doch keinerlei Schuld daran hat.

Mir kam der ganze Vorgang merkwürdig vor, sobald ich darüber nachgedacht habe. Die Idee, das meine Katze eingeschläfert worden ist, kam mir ziemlich schnell. Im Krankenhaus hätte ich keine Möglichkeit ein zu greifen.

Die Geschichte mit der Verletzung kann ich kaum glauben, da mir die Ausschmückungen zu dick aufgetragen vorkommen. Der Notarzt musste ins Haus kommen. Beim Spritze verabreichen zum Einschläfern musste meine Gemahlsgattin nicht dabei sein. Die tote Katze konnte sie
dann mit nach Hause nehmen, obwohl es nicht erlaubt ist. Warum ist sie auf einmal in der Praxis und nicht zu Hause. Beim Verbuddeln im Garten wurde sie vom Nachbarn gestört und hat die Katze dann im Wald vergraben. Sie könnte mir die Stelle zeigen.

Unter Berücksichtigung ihrer Krebserkrankung – spinnt die Frau oder lügt sie nur.

Mich macht diese Geschichte fertig.

Fahrten mit und ohne Helga