Paul Heyse: Das Hundegrab auf Oxia

Paul Heyse: Das Hundegrab auf Oxia (1/10)

Ein kahles Eiland in der Meereswüste
Von Menschen unbewohnt, da nicht ein Quell
Hervorbricht aus dem starren Felsengrund,
Der Nahrung böte einem Grashalm nur,
Indes die Sonne südlich hohe Glut
Herniedersendet. So Jahrtausendlang
Stand allgemieden, trostlos, wie verfemt
Die Klippe da.
Doch heute, wer im Boot
Der Insel naht – auf einmal staunend sieht
Sein Aug‘ ein wimmelnd Leben dort am Strand,
Wo einst des Todes Schweigen nur geherrscht.

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Paul Heyse: Das Hundegrab auf Oxia (2/10)

Und Grauen wird das Staunen, wenn er sieht:
Was dort sich regt, ist schauriger als Tod,
Der Wohltat wär‘ den Unglückseligen,
Verdammt zu langsamen Verschmachtens Qual,
Ein Schicksal, das dem schlimmsten Mörder nicht
Verhängt das härtste Strafgesetz.
Wer sind
Die Jammervollen? Was verbrachen sie?

Paul Heyse: Das Hundegrab auf Oxia (3/10)

Unschuld’ge sind’s, hier grausam eingepfercht
Von Menschen, die unmenschlich sind, denn gut
Und edel sei der Mensch, indessen sie
Vergaßen aller Güte, da es hier
Nur Tiere gilt, und für die Folterung
Von armen Hunden keine Rechenschaft
Zu geben ist am Tage des Gerichts!

Paul Heyse: Das Hundegrab auf Oxia (4/10)

Wohl! Überhandnahm, nicht zu dulden mehr,
Die Hundeplage, die des Sultans Stadt
Gemacht zu räudiger Streuner Tummelplatz,
Wohl durften endlich ihres Herrenrechts
Die Menschen sich bedienen, notgedrängt.
Doch dann auch, wenn es Selbsterhaltung gilt,
Geziemt Erbarmen. Der Gerechte, heißt’s
Im heil’gen Buch, erbarmt sich seines Viehs.

Paul Heyse: Das Hundegrab auf Oxia (5/10)

Und wenn auch der Prophet kein solch Gebot
Der Milde seinen Gläubigen eingeschärft,
Hat er sein Pferd und seine Katze doch
Zärtlich geliebt, und in der Notwehr wohl
Hätt‘ er den scharfen Stahl auch auf ein Tier
Gezückt, doch es dem Tode nie geweiht

Paul Heyse: Das Hundegrab auf Oxia (6/10)

Durch marterndes Verdursten, obdachlos
Dem Brand der Sonnenpfeile ausgesetzt,
Bis es die Wut befällt und brechend sich
Der Blick der schwachen Kreatur, die gern
Den Freund im Menschen sieht, verzweiflungsvoll
Zu seinem Henker hebt.
Wohl ist die Welt
Noch heut der Greuel voll, die Menschen auch
An Menschen üben.

Paul Heyse: Das Hundegrab auf Oxia (7/10)

Doch ein letzter Trost
Bleibt den Verzweifelnden, wenn übergroß
Die Qual ward, mit freiwilligem Entschluß
Sie enden, was versagt ist dem Geschöpf,
Das ach, vernunftlos, doch nicht seelenlos
Sich knechtisch beugen muß dem blinden Recht
Des Stärkern.
Also in der Zeitung stand
Die Mär vom Hundegrab in Oxia.

Paul Heyse: Das Hundegrab auf Oxia (8/10)

Wohl niemand, will ich glauben, hätt‘ er auch
Für diesen treuen Spiel- und Leidgefährten
Des Menschen sonst kein Herz, konnt‘ ungerührt
Die Kunde lesen des Entsetzlichen,
Das hier nicht blöde Roheit einzelner,
Nein, kalte Staatsweisheit verordnet hat,
Zur Schmach dem ganzen Volk, das drein sich fügt.
Doch, die es schaudernd lasen, fühlten sie
Sich tiefer aufgeregt, als wenn sie sonst
Von einem Unglück hörten:

Paul Heyse: Das Hundegrab auf Oxia (9/10)

Daß im Berg
Verschüttet wurden arme Häuer, daß
Ein Schiff mit aller Mannschaft untersank,
Die Pest vieltausend Menschen hingerafft,
Was einzig blinder Elemente Schuld?
Und keinem fiel es ein, daß täglich hier
Ein unerhörter Frevel wird verübt,
Den stumm mit anzusehn, das Herzblut ihm
Empören sollte?

Paul Heyse: Das Hundegrab auf Oxia (10/10)

Wirken segensreich
In unsrer Stadt und in den Ländern rings
Vereine zu gequälter Tiere Schutz,
Und geht von keinem, keinem ein Protest
Bis hin zum goldnen Horn, da solchen Gräul
Zu dulden, dem Jahrhundert Schande macht?

Noch will ich hoffen. Doch was kommen soll,
Geschehe bald, bevor die Todesqual
Des letzten Opfers diese Christenwelt
Verklagt, die das Gebot der Liebe kennt,
Und doch so lässig übt die heil’ge Pflicht
Der Menschlichkeit!

Sonntag, 21. August 2016

Der 21. August ist der 233. Tag des gregorianischen Kalenders (der 234. in Schaltjahren), somit bleiben 132 Tage bis zum Jahresende.

Marokko – Fest der Jugend – Formal Fest der Jugend, aber gleichzeitig der Geburtstag von König Mohammed VI. (1963)

Tag der Oberlausitz – Gründung des Oberlausitzer Sechsstädtebunds am 21. August 1346

Tag der Männerpflege – der US-amerikanische Men’s Grooming Day 2015

Tag der Senioren in den USA – der amerikanische National Senior Citizens Day

Namenstag Pius

Heinrich Heine: Warnung

Heinrich Heine

Warnung

Solche Bücher läßt du drucken!
Teurer Freund, du bist verloren!
Willst du Geld und Ehre haben,
Mußt du dich gehörig ducken.

Nimmer hätt ich dir geraten,
So zu sprechen vor dem Volke,
So zu sprechen von den Pfaffen
Und von hohen Potentaten!

Teurer Freund, du bist verloren!
Fürsten haben lange Arme,
Pfaffen haben lange Zungen,
Und das Volk hat lange Ohren!

Samstag, 20. August 2016

Der 20. August ist der 232. Tag des gregorianischen Kalenders (der 233. in Schaltjahren), somit bleiben 133 Tage bis zum Jahresende.

Nationalfeiertag Ungarn – 1000 Gründung des Königreiches Ungarn

Nationalfeiertag Marokko – Tag der Revolution des Königs und des Volkes – Die französische Protektoratsregierung setzt Sultan (und späteren König) Mohammed V. ab und bringt ihn ins Exil

Tag der Limonade – der amerikanische National Lemonade Day

Namenstage Bernhard, Björn, Oswin, Ronald, Samuel

Carl Spitzweg: Berg und Tal

Carl Spitzweg

Berg und Tal

Erst auf den höchsten Zinnen,
Die mühsam du erklommst,
Wird’s hell in deinen Sinnen,
Dem Himmel näher kommst!

Willst du ein Weilchen selig sein,
So leg dich auf den Bauch
dort in die nächste Wiese ’nein,
lnmitt‘ der Blumen Hauch!

So bist der Gottheit näher,
Das Herz, es schlägt dir froh:
Nur meide nahe Späher,
Die finden so was roh!

Freitag, 19. August 2016

Der 19. August ist der 231. Tag des gregorianischen Kalenders (der 232. in Schaltjahren). Es bleiben 134 Tage bis zum Jahresende.

Nationalfeiertag Afghanistan

Welttag der humanitären Hilfe

Tag der Kartoffel – der US-amerikanische National Potato Day

Nationaler Tag der Luftfahrt in den USA – der amerikanische National Aviation Day

Tag des scharfen Essens – National Hot and Spicy Food Day

Namenstage Johannes, Ludwig

Joachim Ringelnatz: Ich habe dich so lieb

Joachim Ringelnatz

Ich habe dich so lieb

Ich habe dich so lieb
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen
schenken.

Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei verjährt
Doch nimmer vergessen
Ich reise.
Alles, was lange währt,
ist leise.

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.

Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.
Ich habe dich so lieb.

Donnerstag, 18. August 2016

Der 18. August ist der 230. Tag des gregorianischen Kalenders (der 231. in Schaltjahren), somit bleiben 135 Tage bis zum Jahresende.

Tag der schlechten Poesie– der amerikanische (National) Bad Poetry Day

Tag des hochgekrempelten Hosenbeins

Namenstage Claudia, Helena, Helene, Ilona

Friedrich von Logau: Tod und Schlaf

Friedrich von Logau

Tod und Schlaf

Tod ist ein langer Schlaf. Schlaf ist ein kurzer Tod,
der lindert dir, und jener tilgt des Lebens Not!
Tod ist ein langer Schlaf.

Mittwoch, 17. August 2016

Der 17. August ist der 229. Tag des gregorianischen Kalenders (der 230. in Schaltjahren), somit bleiben noch 136 Tage bis zum Jahresende.

Nationalfeiertag Argentinien – Gedenktag zu Ehren des Generals José de San Martín

Nationalfeiertag Indonesien – Tag der Republik – 1945 Indonesische Unabhängigkeitserklärung

Nationalfeiertag Gabun – Unabhängigkeitstag 1960, vormals französisch

Ich-mag-meine-Füße-Tag – der US-amerikanische National I Love My Feet Day

Tag der schwarzen Katze – der amerikanische Black Cat Appreciation Day

International Geocaching Day 2013

Namenstage Jacek