Carl Spitzweg: Berg und Tal

Carl Spitzweg

Berg und Tal

Erst auf den höchsten Zinnen,
Die mühsam du erklommst,
Wird’s hell in deinen Sinnen,
Dem Himmel näher kommst!

Willst du ein Weilchen selig sein,
So leg dich auf den Bauch
dort in die nächste Wiese ’nein,
lnmitt‘ der Blumen Hauch!

So bist der Gottheit näher,
Das Herz, es schlägt dir froh:
Nur meide nahe Späher,
Die finden so was roh!

Carl Spitzweg: Mein Stübchen

Carl Spitzweg

Mein Stübchen

Nicht die kleinste Freude noch auf Erden
Ist mir mein Stübchen spät bei Nacht;
Des Tages Mühsal und Beschwerden
Bei Lesen mich vergessen macht!

„Wohl besser, in geselligen Kreisen
Froh auszutauschen, was erhebt;
Du wähnst wohl gar dich einen Weisen,
Der selber schon genug gelebt.

Wer doch bei solch Schartekenhocken
Einseitig, tot nicht werden müßt‘?!
Kann dich kein Freundeszirkel locken,
Wo ein lebendig Du dich grüßt?“

Verzeih, wenn ich so minder Nutzen,
Belehrung minder finden kann! –
Und wenn dort andere sich lernen duzen,
Red‘ ich mich auch mit Sie nicht an!

Carl Spitzweg: Para pacem si vis bellum

Carl Spitzweg

Para pacem si vis bellum *)

’s ist nur umgedrehte Wortung!
Sattle ab dein Streiterroß,
Bring nur alles hübsch in Ordnung,
Geht gewiß der Teufel los.

*) Bereite den Frieden vor, wenn du den Krieg willst.

Si vis pacem para bellum ist ein lateinisches Sprichwort. Wörtlich übersetzt lautet es: „Wenn du (den) Frieden willst, bereite (den) Krieg vor.“ (Im Deutschen sind Übersetzungen mit oder ohne Artikel möglich.) Andere Übersetzungsversionen sind: „Wenn du Frieden willst, rüste zum Krieg.“[1] oder „Wer den Frieden sucht, bereite den Krieg (vor).“