Peter Hacks – Kaffee-Einladung

Auf dem Tisch die neue Decke
und das Porzellanservice
und die süßesten Gebäcke,
was gäbs Schöneres als dies?
Silbern klappern die Tabletts,
hin und her geht das Geschwätz:
Bitte sehr,
danke schön,
bitte sehr,
danke schön.

Aufgetan ist für die Kleinchen
köstlich und verschwenderisch.
Und die rotbehosten Beinchen
schaukeln unterm Kaffeetisch.
Höflich wie Erwachsene
reicht man sich die Schlagsahne:
Bitte sehr,
danke schön,
bitte sehr, danke schön.

aus:

Gerd Haffmans:
DIE FEIERNDEN DEUTSCHEN:
789 brauchbare Gedichte – durch den Tag, durch das Jahr und durch das Leben

Ein ungehobener Schatz an Gedichten vom Barock bis in die unmittelbare Gegenwart.

(Nov 2011) – 855 Seiten

ISBN 3942990059 – ISBN-13 9783942990059

Bundesarchiv Bild 183-R1202-328, Peter Hacks

© Bundesarchiv, Bild 183-R1202-328 / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de], durch Wikimedia Commons

Peter Hacks (* 21. März 1928 in Breslau; † 28. August 2003 bei Groß Machnow) war ein deutscher Dramatiker, Lyriker, Erzähler und Essayist. Er begründete in den sechziger Jahren die „sozialistische Klassik“ und gilt als einer der bedeutendsten Dramatiker der DDR. Lange Zeit war er der einzige Gegenwartsdichter, der sowohl auf den Bühnen der DDR als auch auf denen der Bundesrepublik Deutschland stark präsent war. Der Erfolg seines Stückes Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe ist auf den deutschen Bühnen des 20. Jahrhunderts beispiellos.

Charles Bukowski – Den Sinn des Ganzen mit der Lupe suchend

Ja, sicher, Huxley tourte per Auto
durch ganz Südeuropa und schrieb ein
fabelhaftes Buch darüber, und Lawrence
malte dieses tolle Bild von einem
pissenden Mann, und Huxley schluckte
Peyote und Frieda gab Lawrence ein
richtiges Zuhause, und Huxley faßte sich
an den Kopf und sagte „Es ist hier oben“
und Lawrence griff sich an den Bauch
und sagte „Nein, da unten.“
Huxley erblindete, wie man weiß, und
Lawrence hatte einen sechsten Sinn
wenn es um Tiere ging und manchmal
denke ich an ihn, manchmal an Huxley
und manchmal auch an Charo mit ihrer
Löwenmähne, so chi-chi sexy, aber
Manchmal denke ich an zwei junge Mexikaner
die im Olympic Auditorium aufeinander
eindreschen. Ja, sicher, unsere Welt
ist voll von Träumen, und manchmal
wenn ich nachts nicht schlafen kann
und mein Kopf an nichts mehr
denken will, starre ich nur
noch an die dunkle Decke.

 

Charles Bukowski
439 Gedichte

Zweitausendeins Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN-10 386150457X
ISBN-13 9783861504573
Gebunden, 500 Seiten, 25,00 EUR

Perlentaucher Schule

Montag, 23.Januar 2012

Der 23. Januar (in Österreich und Südtirol: 23. Jänner) ist der 23. Tag des Gregorianischen Kalenders, somit verbleiben 342 Tage (in Schaltjahren 343 Tage) bis zum Jahresende.

Christiane-von-Goethe-Vulpius

© Johann Wolfgang von Goethe [Public domain], durch Wikimedia Commons

Christel

Habe oft einen dampfen, düstern Sinn,
Ein gar so schweres Blut!
Wenn ich bei meiner Christel bin,
Ist alles wieder gut.
Ich seh sie dort, ich seh sie hier
Und weiss nicht auf der Welt,
Und wie und wo und wann sie mir,
Warum sie mir gefällt.

Das schwarze Schelmenaug dadrein,
Die schwarze Braue drauf,
Seh ich ein einzig Mal hinein,
Die Seele geht mir auf.
Ist eine, die so lieben Mund,
Liebrunde Wänglein hat?
Ach, und es ist noch etwas rund,
Da sieht kein Aug sich satt!

Und wenn ich sie denn fassen darf
Im luft’gen deutschen Tanz,
Das geht herum, das geht so scharf,
Da fühl ich mich so ganz!
Und wenn’s ihr taumlig wird und warm,
Da wieg ich sie sogleich
An meiner Brust, in meinem Arm;
’s ist mir ein Königreich!

Und wenn sie liebend nach mir blickt
Und alles rund vergisst,
Und dann an meine Brust gedrückt
Und weidlich eins geküsst,
Das läuft mir durch das Rückenmark
Bis in die grosse Zeh!
Ich bin so schwach, ich bin so stark,
Mir ist so wohl, so weh!

Da möcht ich mehr und immer mehr,
Der Tag wird mir nicht lang;
Wenn ich die Nacht auch bei ihr wär,
Davor wär mir nicht bang.
Ich denk, ich halte sie einmal
Und büsse meine Lust;
Und endigt sich nicht meine Qual,
Sterb ich an ihrer Brust!
Goethe Signature

© Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) [Public domain], durch Wikimedia Commons
– Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832, deutscher Dichter –
Gedichte, Ausgabe letzter Hand 1827.

Johann Wolfgang von Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main; † 22. März 1832 in Weimar), geadelt 1782, war ein deutscher Dichter. Er forschte und publizierte außerdem auf verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebieten. Ab 1776 bekleidete er am Hof von Weimar unterschiedliche politische und administrative Ämter.

Goethes literarische Produktion umfasst GedichteDramenerzählende Werke (in Vers und Prosa), autobiografische, ästhetische, kunst- und literaturtheoretische sowie naturwissenschaftliche Schriften. Auch sein umfangreicher Briefwechsel ist von großer literarischer Bedeutung. Goethe war ein Vorreiter und der wichtigste Vertreter desSturm und Drang. Sein Roman Die Leiden des jungen Werthers machte ihn 1774 in ganz Europa berühmt. Später wandte er sich inhaltlich und formal den Idealen derAntike zu und wurde ab den 1790er Jahren, gemeinsam mit Friedrich Schiller und im Austausch mit diesem, zum wichtigsten Vertreter der Weimarer Klassik. Im Alter galt Goethe auch im Ausland als Repräsentant des geistigen Deutschland.

Während die Wertschätzung Goethes nach seinem Tode zunächst abnahm, wurde er im Deutschen Kaiserreich ab 1871 „zum Kronzeugen der nationalen Identität der Deutschen“[2] und als solcher für den deutschen Nationalismus vereinnahmt. Es setzte nun eine Verehrung nicht nur des Werks, sondern auch der Persönlichkeit des Dichters ein, dessen Lebensführung als vorbildlich empfunden wurde. Bis heute gilt Goethe als bedeutendster deutscher Dichter, sein Werk wird zu den Höhepunkten derWeltliteratur gezählt.

Christel

Ein Song aus dem Repertoire der Band KRANZER
Musik und Komposition: Raphael Grosch
Gesang: Raphael Grosch
Text: Johann Wolfgang von Goethe