Wurden früher bei Taschenrechnern Warteschleifen einprogrammiert?

Einst teure Exoten, jetzt Massenware
Aus dem Leben eines Schülers oder eines Wissenschaftlers ist der Taschenrechner nicht mehr wegzudenken. Auch Buchhalter und sonstige „Zahlenarbeiter“ sind auf die Arbeit des kleinen Bruders des Computers angewiesen. Heute gibt es Taschenrechner als Give-away und selbst ein brauchbarer Schulrechner kostet kaum mehr als 20 Euro. Das war anders, als Taschenrechner auf den Markt kamen. Die kleinen Wundermaschinen waren – selbst wenn sie kaum mehr als die Grundrechenarten beherrschten – sündhaft teuer.
Technisches Design
Ein Leonardo-Hörer meint gehört zu haben, dass in die ersten Taschenrechner auf dem Markt extra Warteschleifen einprogrammiert worden waren, damit das Ergebnis beispielsweise beim komplizierten Wurzelziehen nicht sofort auf dem Display erscheint. Die Programmierer hätten so möglicherweise auf Bitten der Marketingleute die Glaubwürdigkeit der neuen Geräte erhöhen wollen. Denn der ein oder andere könnte es unerhört finden, wenn die Maschine nicht nur präziser sondern auch deutlich schneller rechnen kann als der Mensch.
Abwegig sind solche Überlegungen nicht. Schließlich lassen Sounddesigner Staubsauger lauter klingen als nötig, weil laut als kraftvoll gilt. Auch sind inzwischen Autos auf dem Markt, in deren Auspuffanlage komplizierte Lautsprechersysteme eingebaut sind, um mit einem Vierzylindermotor satten Achtzylindersound vorzugaukeln. Mit anderen Worten: Ingenieure streben nicht immer nach der besten Lösung, sondern nach jener, welche die größte Begehrlichkeit weckt.
Der Brems-Mythos
Trotzdem möchten wir die künstlichen Warteschleifen ins Reich der Mythen verweisen. Der Taschenrechner, wie wir ihn kennen, wurde erst mit dem Aufkommen der Mikroelektronik möglich. Die ersten Modelle – basierend auf integrierten Schaltkreisen – erschienen Ende der 1960er Jahre. Dabei enthielten die Chips in den Rechnern aber nur rund 6000 Transistoren. Heutige Mikrochips beherbergen mehrere Milliarden Transistoren. Aus der Zahl der Transistoren lässt sich ableiten, dass erste frühe Taschenrechner noch sehr langsam bei komplexen Berechnungen waren. Ein bewusst gebremster Taschenrechner darf somit als moderner Mythos angesehen werden.
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