Wer bestäubt im Winter die Schneeglöckchen?

Oft liegt noch eine geschlossene Schneedecke, wenn im Februar oder März die ersten Schneeglöckchen ihre schmalen Blätter aus der gefrorenen Erde schieben. Eine kleine Menge Sonnenstrahlung genügt, um ihr Wachstum anzuregen. Regelmäßig ist Galanthus Nivalis  – die „schneefarbene Milchblüte“ – deshalb der erste Frühlingsbote und Nektarlieferant.

Überleben im Frost
In den eisigen Nächten schließen sich die drei weißen Blütenblätter schützend um die drei spitzkegeligen Staubblätter, aber wenn tagsüber die Sonne scheint und die Temperaturen steigen, öffnet sich die Blüte weit, um mit einem zarten Duft früh fliegende Insekten anzulocken.

Wer fliegt so früh?
Vor allem Hummeln sind in de Lage bei niedrigen Temperaturen zu fliegen. Die Königinnen, die in Erdlöchern überwintert haben, können mit ihrem dunklen Hinterleib Sonnenwärme speichern; dazu sind sie in der Lage, ihren Flugapparat durch schnelle Muskelkontraktionen aufzuwärmen. Hummeln suchen auch bei Temperaturen unter zehn Grad nach Nektar für sich selbst und nach Pollen für ihre Brut. Beides liefert das Schneeglöckchen. Neben Hummeln sind im zeitigen Frühjahr auch Schwebfliegen oder vereinzelte Schmetterlinge unterwegs.

Alternative Vermehrung
Nach der Bestäubung reifen zirka 40 Samen, die kleine energiereiche „Päckchen“ tragen. Ameisen verschleppen die Samen deshalb gern an andere Orte. Wird das Schneeglöckchen von keinem Insekt bestäubt, befruchtet es sich selbst. Kleine Erschütterungen genügen, um Pollen auf die Narbe rieseln zu lassen. Die Zahl der Samen ist dann aber kleiner.
Neben der Selbstbestäubung bildet das Schneeglöckchen noch Tochterzwiebeln, die als Klon das identische Erbgut ins nächste Jahr retten.

Das Schneeglöckchen als Heilpflanze
Im Kaukasus essen alte Menschen traditionell die Zwiebeln gegen
Alterserscheinungen und Vergesslichkeit. Tatsächlich enthält das Schneeglöckchen den Wirkstoff „Galantin“, der mittlerweile synthetisch hergestellt und in Medikamenten gegen die Alzheimer-Krankheit eingesetzt wird.

Linktipps:
Das Innenleben der Schneeglöckchen
http://www.kgv-esparsette.at/index.php/gartenhandbuch/fruehlingsblumen/17-kleines-schneeglhen-galanthus-nivalis-l

Thermoregulation bei wechselwarmen Insekten – Der Wärmehaushalt einer Hummel
http://aktion-hummelschutz.de/biologie-hummeln/thermoregulation-bei-wechselwarmen-insekten/

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http://www.wdr5.de/sendungen/leonardo/s/d/12.01.2012-16.05/b/die-kleine-anfrage-wer-bestaeubt-im-winter-die-schneegloeckchen.html

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